Wahlen in Berlin

28 Aug
2016

In wenigen Monaten ist die Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus und jetzt kommen die Politiker langsam wieder ans Tageslicht gekrochen. Auch wenn ich politisch sehr interessiert bin, weiß ich ehrlich gesagt nicht, wen ich denn eigentlich wählen soll.

Die aktuelle Koalition aus SPD und CDU hat versagt, die Koalition von SPD und Linke der letzten Legislaturperiode hat ebenfalls nichts gemacht. Die letzte Koalition mit Beteiligung der CDU hat das Land Berlin in ein Schuldenloch gesteuert, aus das es sich bis heute noch nicht erholt hat. Bis heute sind die Schulen marode, es gibt nicht genug Kindergärten, der Wohnungsbau wird vollständig windigen Bauträgern überlassen, die Verwaltungen sind schlecht strukturiert, die Flüchtlinge sind immer noch nicht menschenwürdig untergebracht und die Partygegenden verkommen zu Gewalt- und Drogenmeilen. Alle reden davon, wie attraktiv und sexy diese Stadt ist. Aber für wen eigentlich?

Mir scheint, die wahren Probleme dieser Stadt werden gar nicht angegangen und die Politiker kümmern sich mehr um ihre persönlichen Belange als um ihren Wahlauftrag. Dabei sind manche Lösungen doch so einfach:

  • Stellt einfach mehr Lehrer ein, anstatt ständig an dem unterfinanzierten Bildungssystem rumzudoktern.
  • Macht eine verlässliche Personalplanung bei den Landesbediensteten. Dass Jahrelang nicht genug Polizisten eingestellt wurden, rächt sich jetzt doppelt.
  • Kümmert euch mehr um die Entwicklung und Integration junger Menschen. Das ist billiger, als später komplette Bevölkerungsgruppen aus den Sozialkassen zu finanzieren.
  • Verkauft nicht eure Grundstücke an Finanzinvestoren sondern gebt diese in die Hand der örtlichen Wohnungsgesellschaften. Diese können endlich mal bezahlbaren Wohnraum schaffen.
  • Baut mehr Radwege um die Straßen-Infrastruktur zu entlasten.

Und wovon das ganze bezahlen? Mir fallen da spontan die Mehrkosten für den Flughafen ein, mit denen man locker all diese Dinge bezahlen könnte. Oder diese sündhaft teure A100, welche halb Friedrichshain untertunnelt. Sorgt euch lieber um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Hört auf Luftschlösser zu bauen und kümmert euch um die wahren Probleme, dann habt ihr meine Stimme sicher!

Alltag im Berliner Bürgeramt

Ich bin ein Berliner

18 Apr
2016

Es ist schon komisch. Ich lebe jetzt in der Stadt, in der ich eigentlich nie Leben wollte. Als einfacher Brandenburger mische ich mich nun zwischen den Vollbart-Hipstern und den Öko-Tanten, um einen neuen Lebensabschnitt in der Hauptstadt zu beginnen. Schon jetzt kann ich sagen, dass der Umstieg nicht viel extremer hätte sein können.

Von der bäuerlichen Provinz in das moderne Berlin? Weit gefehlt!

Schon bei der Anmeldung meines Wohnsitzes musste ich meine Ansprüche erst mal runter schrauben. Während man in Schwedt einfach zu den Öffnungszeiten in die Stadtverwaltung geht, muss man in Berlin erst telefonisch einen Termin vereinbaren. Wenn man Glück hat, bekommt man dann für 3 Wochen später einen Termin in einem Bürgerbüro am Rande der Stadt. In meinem Fall war das Bürgerbüro in der Wasserstadt Spandau meine Anlaufstelle, welches in genau einer Stunde Fahrzeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Da kommt Freude auf!

Eigentlich wollte ich dort nur meine neue Adresse angeben, aber letztendlich musste ich mich um die marode Technik in dem Bürgeramt kümmern. Der Tintenstrahldrucker hat einfach nicht meinen Namen auf das Klebe-Etikett für den Ausweis gedruckt. Nachdem auch der fünfte Zettel verschmiert aus dem Drucker kam, empfahl ich dem Beamten Sachbearbeiter, erstmal eine Druckerdüsen-Reinigung durchzuführen. Da er mit der Sache sichtlich überfordert war, gingen wir die Sache gemeinsam durch und innerhalb von 3 Minuten war mein Etikett fertig. Insgeheim fragte ich mich, wie viele Bürger man in der Zeit hätte abfertigen können, aber das war mir dann auch egal. Immerhin bin ich jetzt kein Illegaler mehr!

  

Und sonst?

Während man mich in der Uckermark immer gefragt hat, was mich in diese verlassene Gegend zieht ist, ist Berlin scheinbar die interessanteste Frage, wie viel Miete man bezahlt. Egal ob beim Frisör, beim Feierabendbier oder beim Besuch des Briefträgers. Jeder redet über die horrenden Mieten in dieser Stadt. Dabei gibt es noch so viele andere Probleme hier! Die Kindergärten haben Wartelisten bis zum Mond, bei den Ärzten wartet man mindestens genauso lange wie in der Uckermark und in einigen Ecken kann man Abends nicht mehr lang laufen.

Schöne Aussichten!

Nach über fünf Jahren in einem der vorzeigebetriebe in Brandenburg habe ich mich entschlossen, meine Kündigung einzureichen und die Uckermark zu verlassen. Zugegebenermaßen ist mir dieser Schritt nicht leicht gefallen, denn ich habe mir in den letzten Jahren hier so einiges aufgebaut. Zudem spüre ich, dass es in meiner Heimat so langsam wieder aufwärts geht und neue Leute in die Stadt kommen.

Letztendlich musste ich aber meine beruflichen und privaten Vorstellungen unter einem Hut bringen – hier schien ein Job-Wechsel einfach die beste Lösung. Mein Arbeitgeber hat leider auch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um mich vom Verbleib im Unternehmen zu überzeugen. Noch während meiner letzten Arbeitstage wurde meine Stelle in einer höheren Gehaltsstufe neu ausgeschrieben. So kann man es natürlich auch machen.

Jetzt freue ich mich erst mal auf die neuen Herausforderungen bei einem zukunftsweisenden Unternehmen in Berlin. Ich werde mit meinen Kenntnissen die Energiewende in Deutschland weiter voran bringen und die Stromnetzte der Zukunft aufbauen. Ich bin gespannt, was mich hier so erwartet!

Auf neuen Wegen

Drei Tage Erzgebirge

17 Jan
2016

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe ist? Das dachten wir uns auch und sind dieses Jahr mit der gesamten Familie zum Winterurlaub in die kleine Ortschaft Rehefeld-Zaunhaus ins Erzgebirge gefahren. Die Anreise von Berlin dauerte nur 3 Stunden und schon waren wir in einem voll ausgestatteten Skigebiet inklusive Sessellift, Skiverleih und schönen Pisten. Nur die vielen Tagestouristen mit ihren Schlitten waren etwas nervig, da diese den Sessellift deutlich verlangsamt haben. Das ausgezeichnete Wetter hat dies wieder Wett gemacht und so waren die 3 Tage leider viel zu schnell vorbei.

Der Winter hat zwar noch gar nicht richtig angefangen, aber trotzdem hat es uns über Silvester in das warme Gran Canaria gezogen. Mit dabei waren wieder alte Kommilitonen aus Cottbus, so dass es ein paar lustige Tage unter der warmen kanarischen Sonne wurden.

Anreise über Hamburg

Da wir keine guten Verbindungen von Berlin gefunden haben, sind wir von Hamburg mit Norwegian Air geflogen. In einem Café am Hamburger Hauptbahnhof sind wir auf die Mitreisenden aus Krieschow und München getroffen. Der Flug hatte wegen Gegenwind eine halbe Ewigkeit gedauert, aber immerhin gab es kostenloses WLAN an Bord. Nach über 6 Stunden sind wir schließlich sicher in Las Palmas gelandet.

Für die nächsten Tage sollte ein VW Polo unser treuer Begleiter werden. Trotz der späten Ankunft konnten wir diesen noch am Flughafen von Las Palmas entgegen nehmen und über die hervorragend ausgebaute GC-1 bis nach Playa del Inglés schweben.

Bei der Ankunft in unserem Bungalow im HD Parque Cristobal wurde uns „als besonderer Service des Hauses“ die Villa vom Hotel-Besitzer angeboten. So waren wir nicht auf dem eigentlichen Gelände des Hotels untergebracht, sondern etwas abseits in einem unscheinbaren Haus. Der Begriff Villa war zwar reichlich übertrieben, aber immerhin hatten wir hier viel Platz.

Am nächsten Morgen erkundeten wir zunächst die nähere Umgebung und machten einen Fußmarsch durch die Sanddünen von Maspalomas. Der Sand war sehr hell und fein, so dass wir die Wüste ohne Brandblasen und Stichwunden durchqueren konnten. Ohne einen Tropfen Wasser erreichten wir nach einigen (Diskussions-)Pausen schließlich den Atlantik mit dem dortigen FKK-Strand. Von hier ist die Sahara nur etwa 200 km entfernt und irgendwie hat man das auch gespürt. Auf dem Rückweg hatte der Wind ziemlich aufgedreht und so wurde die entspannte Wanderung auf der Uferpromenade zum Kampf gegen den Sandstrahl.

Dünen von Maspalomas

Am Nachmittag sind wir mit dem Auto zur Schlucht von Guayadeque gefahren. Auf dem Weg dorthin passiert man die kleine Ortschaft Agüimes, welche man sich durchaus näher anschauen kann. Es gibt hier viele kleine Kunstwerke und schöne Plätze, was sich aber anscheinend noch nicht bei den Touristen herumgesprochen hat.

Ein paar Kilometer weiter in Cueva Bermeja kann man in Felsen eingehauene Wohnungen besichtigen. Die Bewohner machen dort einfach die Türen auf und gegen eine kleine Spende kann man sich die Wohnung anschauen. Es gibt hier auch einige Restaurants in den Felsen. Wir haben uns für das Restaurante Tagoror entschieden und hier unsere ersten kanarischen Gerichte probiert. Die Vorsuppe (Potaje Canario) und die Brötchen mit Alioli waren noch sehr lecker, doch mit jedem weiteren Gang wurde das Essen schlechter. Anscheinend wird hier mehr Augenmerk auf Ambiente statt auf das Essen gelegt.

Am nächsten Tag zog es uns weiter in den Norden in der Insel nach Las Palmas de Gran Canaria. In dieser Metropole lebt fast die Hälfte der Einwohner Gran Canarias und dementsprechend voll ist es auch. Hat man erst mal einen Parkplatz gefunden, kann man die Stadt relativ entspannt zu Fuß erkunden. Die Catedral de Santa Ana kann man besteigen und von oben einen schönen Blick auf die Altstadt genießen. Spätestens hier bin ich auch Fan von dem Selfie-Stick unserer Mitreisenden geworden!

Las Palmas

Das Museo Canario haben wir übersprungen und sind dafür die Fußgängerzone entlang der Calle Mayor de Triana gelaufen. Da wir in diesem Urlaub noch nicht einmal baden waren, sind wir abends noch zum Playa de Las Canteras auf der Westseite von Las Palmas gefahren. Für mehr als einen kurzen Sprung in das sehr salzige Wasser hat es aber nicht gereicht. Stattdessen haben wir versucht, unser akrobatisches Geschick vor der untergehenden Sonne mit unseren Smartphones zu erfassen.

Um den gelungenen Tag standesgemäß zu beenden, haben wir uns ein leckeres Essen in der Taberna Chica direkt an der Strandpromenade gegönnt. Mein Seebarsch war echt gut und die typisch kanarischen Kartoffeln mit Mojo Picón Sauce waren auch sehr lecker.

Auf der Jagd nach der kanarischen Rieseneidechse

Am folgenden Tag erkundeten wir das bergige Zentrum der Insel. Über die GC-60 arbeiteten wir uns Kurve für Kurve in das Zentralmassiv rund um den Pico de las Nieves (höchster Berg der Insel) vor. Hier sind einige schöne Orte wie Fataga oder Tajeda, die man sich definitiv anschauen sollte.

Ganz in der Nähe ist auch der Roque Nublo (spanisch Wolkenfels). Dieser Berg hat auf der Spitze einen auffälligen Basaltfelsen und gilt als Wahrzeichen Gran Canarias. Über einen Wanderweg kann man den Berg vom Parkplatz aus in einer halben Stunde besteigen. Leider haben wir den Parkplatz irgendwie verfehlt, so dass wir uns den Gipfel nur aus der Ferne ansehen konnten. Dafür hatten wir Glück mit dem Wetter und konnten von der Straße aus mehrfach den Pico del Teide von der benachbarten Insel Teneriffa sehen. Außerdem haben wir am Cruz de Tajeda einen traumhaften Sonnenuntergang erbebt. Dieses Kreuz auf 1560 Metern Höhe ist auch der geografische Mittelpunkt der Insel und ein beliebter Startpunkt für Wanderungen.

Cruz de Tajeda

Von dort aus fuhren wir mit dem Auto weiter auf die nördliche Hälfte der Insel und erreichten schlagartig in eine andere Vegetationszone. Während im Süden allenfalls ein paar Kakteen am Straßenrand stehen, gibt es im Norden üppigen Baumwuchs und viele grüne Pflanzen. Von nun an fuhren wir nur noch Abwärts in die spanische Gemeinde Teror. Hier versprach uns der Reiseführer ein Prachtexemplar des Kanarischen Drachenbaums, den wir aber erst mal finden mussten. Im Innenhof eines unscheinbaren Gebäudes haben wir schließlich den Baum gefunden, der von der Größe her eher durchschnittlich war. Ansonsten kann man sich in Teror noch die Stadtkirche (Nuestra Señora del Pino) und die Innenstadt mit den vielen Holzbalkonen anschauen.

Strandtag und Silvester

Am vorletzten Tag der Reise fuhren wir mit dem Auto zu den Stränden westlich von Maspalomas. Der Playa de Amadores hinter Puerto Rico ist unglaublich schön – war an diesem Tag aber auch unglaublich voll. So haben wir den Tag schließlich am weniger überfüllten Playa Taurito verbracht, auch wenn hier der Sand nicht ganz so schön war.

Die Silvesternacht haben wir mit vielen anderen Touristen am Leuchtturm von Maspalomas verbracht. Die dortigen Hotels haben reichlich Feuerwerk in den Himmel geschossen, so dass wir uns eigentlich nur um den Sekt kümmern mussten.

Schon zu Ende

Nach der kurzen Silvesternacht mussten wir auch schon wieder die Sachen packen und Playa del Ingles verlassen. An der rauhen Küste von Playa de Quintanilla genossen wir die letzte Mittagssonne in diesem Urlaub. Der Strand dort ist sehr felsig und nicht zum Baden geeignet. Dafür kann man von den Ufern unglaublich hohe Wellen beobachten, die aber nur einen einzigen Surfer angezogen hatten.

Playa de Quintanilla

Das nahegelegene Städtchen Arucas hat eine imposante gotische Kathedrale und einen schönen Stadtpark. Vom Mirador de Montaña de Arucas (ein ehemaliger Vulkan mit 412 Metern Höhe) hat man einen tollen Ausblick auf die Umgebung. Nach einem letzten Kaffee in Arucas sind wir schließlich über Telde zurück zum Flughafen gefahren. Von dort ging es mit dem Spätflug nach Nürnberg und am folgenden Tag mit dem Zug zurück nach Berlin. Ein wirklich schöner Urlaub war wieder zu Ende!

Erkenntnisse: Auf Gran Canaria werden Bananen angebaut.

Ein Liter Super kostet hier schlappe 0,89 Euro.

Das Spanisch hier ist ähnlich wie in Granada.

Nachdem ich in den letzten Monaten sehr erfolgreich den HomeNAS von Stefanius eingesetzt habe, wollte ich mal etwas Neues ausprobieren und habe mir Volumio auf meinem Cubietruck installiert. Damit kann man zwar nur Musik und Web-Radio hören, aber etwas anderes habe ich bisher ohnehin nicht genutzt.

Die Installation von Volumio war kinderleicht:

  • Image von Volumio herunterladen (dort bitte aufpassen, dass man Cubietruck ausgewählt hat)
  • Mit dem Win32DiskImager das Image auf eine SD-Karte aufspielen
  • SD-Karte in die Cubietruck stecken und starten

Die Ausgabe wird standardmäßig auf den HDMI-Ausgang geleitet. Den Anschluss des Fernsehers kann man sich aber sparen, da die gesamte Bedienung über eine Web-Oberfläche abläuft. Diese ist unter http://volumio/ innerhalb des eigenen Netzwerkes erreichbar und bietet alle notwendigen Einstellungen für einen erfolgreichen Betrieb des Volumio.

Falls man sich doch mal auf der Konsole einloggen möchte, kommt man problemlos mit den folgenden Zugangsdaten weiter.

# Administrator
root/volumio
# Volumio
volumio/volumio

Volumio über Putty

Die einzigen Probleme hatte ich bei der Einrichtung eigener Web-Radio Stationen. Zwar kann man über die schicke Web-Oberfläche eigene Links zu PLS-Dateien einfügen, aber diese werden nicht abgespielt. Möglicherweise ist dies ein Rechteproblem, da die Daten als www-user auf dem Volumio landen.

Bei mir hat es geholfen, die PLS-Dateien per SSH in das Verzeichnis

/var/lib/mpd/music/WEBRADIO

zu schieben. Man sollte dann noch über CHMOD die korrekten Berechtigungen setzen (einfach an den vorhandenen Dateien orientieren) und danach über

mpc update

die Bibliothek des MPD aktualisieren. Nun sollte es auch keine Probleme mehr mit den Radio-Streams geben.

Weiterführende Links

Fazit unseres Urlaubs

30 Jul
2015

Nach 18 Tagen Urlaub sind wir wieder gut in Berlin eingetroffen. Die Rückreise hat sich bedingt durch die Zwischenstopps in Toronto und Frankfurt ganz schön in die Länge gezogen und wurde zum Geduldsspiel. Aber so hatten wir immerhin genug Zeit, uns innerlich vom Urlaub zu verabschieden und in den Alltagsmodus umzuschalten.

Rückblickend muss man sagen, dass wir vieles gut geplant haben und die Reise nicht viel besser hätten machen können. Besonders die Entscheidung, vorrangig in Privatunterkünften (Bed and Breakfast) zu nächtigen, hat sich gelohnt. Dort kommt man gut in Kontakt mit Einheimischen und anderen Reisenden. Das Ashby House Bed and Breakfast wird uns hier in besonders positiver Erinnerung bleiben.

Von den Städten hat uns Vancouver am besten gefallen. Es gibt hier eine sehr interessante Mischung von Bezirken für Wohnen, Essen und Ausgehen. Auch die schönen Stadtstrände laden zum Verweilen ein. Im Gegensatz zu Toronto gibt es hier auch einige Grünflächen und die Stadt wirkt irgendwie wohnlicher. Mit der fahrerlosen Metro und den vielen Radwegen gibt es hier sogar einen ansprechenden Nahverkehr.

Landschaftlich war die beiden Nationalparks Jasper und Banff das absolute Highlight. Das hat sich aber auch schon herum gesprochen, so dass es in den Sommermonaten auch teilweise sehr voll dort werden kann.

Vom Wetter her hatten wir leider kein Glück. Die richtigen Sonnentage können wir mit einer Hand abzählen. Dazu hatten wir Waldbrände in Jasper, wodurch Zufahrtswege zu einigen entlegeneren Orten gesperrt waren. Bei unserem letzten Zwischenstopp in Toronto waren dann endlich mal sommerliche Temperaturen – was auch gleich zur höchsten Ozon-Warnstufe führte.

Erkenntnisse: Mit Rückenwind schafft man den Flug von Toronto nach Frankfurt in rekordverdächtigen 7:15 Stunden.

Unsere Weiterreise nach Vancouver begann morgens um 5.40 Uhr auf dem Busbahnhof in Jasper. Dort bestiegen reichlich unausgeschlafen einen Greyhound-Bus, der uns innerhalb von 12 Stunden an die Pazifikküste brachte. Eigentlich war die Fahrt ruhig und entspannt, bis ein Typ plötzlich unseren gesamten Bus mit einem lauten Kampfschrei aus den Schlaf riss. Dem Busfahrer ist vor Schreck fast das Lenkrad entglitten und alle schauten entsetzt auf den schreienden Zeitgenossen. Dieser machte aber recht schnell deutlich, dass er nur schlecht geträumt hatte. Zum Schlafen war uns danach aber nicht mehr zumute.

Mit der Ankunft in Vancouver betraten wir nach Ontario und Alberta mit British Columbia eine weitere kanadische Provinz. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass wir wieder in eine andere Zeitzone springen und somit eine Stunde länger schlafen können. Übrigens ist Vancouver nach Calgary auch schon die zweite Olympiastadt unserer Reise.

Auf den ersten Blick hat Vancouver irgendwie Ähnlichkeit mit San Francisco. Die Stadt ist direkt am Pazifik an der Straße von Georgia, etwas bergig und hat auch diese typischen viktorianischen Häuser mit Holzveranda und Erker. Diese wechseln sich ab mit modernen Glasbauten, die bedingt durch eine kluge Stadtplanung eine gewisse Höhe nicht überschreiten dürfen.

Bute Street unweit unserer Unterkunft

Wir haben das Glück, die folgenden sechs Nächte in einem viktorianischen Haus im West End von Vancouver zu nächtigen. Von hier ist es nicht weit zu den belebten Straßen Davie und Robson Street sowie zum Strand und dem Stanley Park.

Nach unserer Ankunft am späten Nachmittag haben wir ein paar Straßen weiter bei Judges Indian Cousine in der Davie Street das leckerste Indisch unseren Lebens gegessen. Danach sind wir auch schon in die Betten gefallen. Die vielen Stunden in dem Greyhound-Bus haben doch ganz schön geschlaucht.

Stadterkundung oder Strandtag?

Den folgenden Tag haben wir am Strand des Third Beach verbracht. Wir hatten in den letzten Tagen leider nicht so viel Glück mit dem Wetter, deswegen wollten wir heute die Sonne gänzlich auskosten. Das Meer hatte erfrischende 19 Grad und die Lufttemperatur lag bei 22 Grad, also konnte man es hier gut aushalten. Das Wasser war erstaunlich klar, trotz der Nähe zum Hafen von Vancouver und den vielen Containerschiffen am Horizont.

Third Beach in Vancouver

Am folgenden Tag hatten wir leider wieder schlechtes Wetter, so dass wir uns für einen Einkaufs- und Museumstag entschieden. Der Einkaufsbummel im Pacific Centre war leider nicht so erfolgreich, aber dafür war der Besuch in der Vancouver Art Gallery umso besser. Dort war gerade eine Sonderausstellung von Herzog & De Meuron, welche ja unter anderem die Uni-Bibliothek in Cottbus entworfen haben. Als der Regen etwas nachließ, haben wir noch Gastown besucht. Dieser historische Straßenzug ist eines der Touristenzentren der Stadt und dementsprechend überlaufen war es auch. Wenn man etwas genauer hinschaut, kann man hier neben Souvenirläden sich imposante Industriegebäude aus dem frühen 20.Jahrhundert finden. In dieser Zeit war Kanada noch unter Führung des Vereinigten Königreiches und dies hat sich auch auf die Architektur ausgewirkt. Bei einigen Gebäuden kann man Parallelen zu den Bauten in Manchester oder Glasgow entdecken.

Gastown in Vancouver

Am Samstag haben wir auf dem Fahrrad den Stanley Park umrundet und sind die Uferpromenade bis zum Ende des False Creek gefahren. Die Radwege sind dort sehr gut ausgebaut und auch beschildert – davon kann sich Berlin durchaus eine Scheibe abschneiden.

Zudem hatten wir das Glück, dass am Abend die Celebration of Light stattfindet. Bei diesem Wettbewerb werden von einer schwimmenden Plattform im English Bay Feuerwerkskörper hochgeschossen. Jedes Jahr drängeln sich mehrere hunderttausend Zuschauer an die Uferpromenade, um dieses Spektakel aus nächster Nähe zu sehen. Unsere Unterkunft war nicht mal 800 Meter davon entfernt, so dass wir dieses nach einem kleinen Spaziergang verfolgen konnten.

Da am folgenden Tag das Wetter wieder einmal bescheiden war, sind wir zum Museum of Anthropology auf der Campus der UBC (University of British Columbia) gefahren. Die Uni hat fast 50.000 Studenten und dementsprechend groß ist auch der Campus. Das Museum sollte man auf jeden Fall besucht haben, um die Entwicklung der First Nations (älteste Bewohner Kanadas) zu verstehen. Auf dem Rückweg haben wir auf Ratschlag unserer Gastgeber einen Zwischenstopp im Queen Elizabeth Park gemacht. Von dort hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und kann sich im Bloedel Conservatory tropische Pflanzen ansehen.

Blick vom Queen Elizabeth Park

Am letzten Tag verließen uns irgendwie die Kräfte, so dass wir den geplanten Ausflug nach Seattle bzw. Vancouver Island für einen weiteren Strandtag eingetauscht haben. So langsam müssen wir uns auch aus Kanada verabschieden. Morgen fliegen wir schon zurück nach Toronto und einen Tag später weiter nach Berlin.

Erkenntnisse: In Vancouver fährt die Metro (SkyTrain genannt) völlig automatisch ohne einen Fahrer. Dadurch kann man während der Fahrt schön nach vorne bzw. hinten rausschauen.

In Jasper angekommen

21 Jul
2015

Auf den ersten Blick ist Jasper durchaus vergleichbar mit Banff – eine Stadt am Fuße der Rocky Mountains die vom Naturtourismus lebt. Allerdings ist man hier noch mehr in der Wildnis und trifft dementsprechend oft auf die heimische Tierwelt. Trotz der Empfehlung des Reiseführers verzichteten wir auf ein Bärenspray (das soll die Bären im Falle eines Angriffs abwehren) und wanderten am ersten Tag direkt in die Wälder des Jasper Nationalparks. Schon nach ein paar Minuten hört man nichts mehr von Stadt und findet sich zwischen knarzenden Bäumen und rauschenden Flüssen wieder.

Athabasca River

Für den ersten Tag haben wir uns gleich den längsten Wanderweg unsere Reise ausgesucht. Dieser führte uns über den Old Fort Point Loop zum Lake Beauvert und schließlich weiter zum Maligne Canyon. Am Lake Beauvert haben wir in der prestigeträchtigen Fairmont Jasper Lodge einen Zwischenstopp eingelegt und den leckersten Sandwich unserer Reise gegessen. Anschließend haben wir uns ein Kanu ausgeliehen und sind über den kristallklaren See gepaddelt. Das war wirklich Kanada-Feeling vom feinsten!

Paddeln auf dem Beauvert Lake

Der anschließende Weg zum Maligne Canyon hat sich ganz schön in die Länge gezogen und man ist auch nur sehr selten auf andere Menschen gestoßen. So richtig wohl war uns bei der Sache nicht, auch weil man in aller Regelmäßigkeit daran erinnert wird, dass man sich in einem aktiven Bärengebiet befindet. Als wir schließlich am Maligne Canyon angekommen sind, waren die Füße platt und unsere Motivation am Boden. So entschieden wir uns, den Weg zurück nach Jasper zu trampen. Das war leichter gesagt als getan, denn irgendwie wollte uns keiner so recht mitnehmen. Letztendlich hat uns eine freundliche Kanadierin mitgenommen und uns damit 10 Kilometer Rückweg erspart.

Bedingt durch den langen Ausflug hatten wir am folgenden Tag keine Lust auf Wandern und sind stattdessen mit dem Fahrrad zum nahegelegenen Pyramid Lake gefahren. Die Ausleihgebühr war mit 40$ zwar recht happig, aber dafür hatten wir mehr von der Natur mitbekommen als die ganzen Auto-Touristen. Vom Pyramid Lake sind wir zurück nach Jasper gefahren und dann immer entlang des Athabasca River Richtung Norden gefahren. Als wir am weitesten entfernt von Jasper waren, zogen auf einmal dunkle Regenwolken auf und binnen Minuten wurde die sonnige Urlaubsidylle wurde zum feuchten Albtraum. Mit viel Kampfgeist und waghalsigen Fahrmanövern über den Yellowhead Highway hatten wir es vor dem absoluten Weltuntergang zurück in die Stadt geschafft. Immerhin haben wir dafür später Anerkennung von einigen Autofahren bekommen, die uns am Straßenrand mit den Naturgewalten haben kämpfen sehen. Die anschließende Pizza im L&W Family Restaurant war eher durchschnittlich, aber immerhin war es im Restaurant trocken.

Mit dem Fahrrad am Pyramid Lake

Am letzten Tag in Jasper hatten wir keine Lust auf körperliche Betätigung (ohnehin war das Wetter nicht so besonders). Also haben wir uns kurzerhand ein Auto ausgeliehen, um die etwas entfernteren Sehenswürdigkeiten zu besuchten. Da der örtliche Verleih keinen Kleinwagen mehr im Angebot hatte, mussten wir auf ein sogenanntes Full Size Car umsteigen. Die Freude war groß, als auf dem Parkplatz ein weißer Dodge Charger SXT auf unsere Fernbedienung reagierte. Leider konnte man die Beschleunigung in diesem Schiff nicht so richtig ausleben, da die maximal erlaubten 90 km/h viel zu schnell erreicht wurden. Aber schon alleine der Sound beim Fahren war irre.

Umso überraschender war es, dass wir bei der Fahrt zur Mount Edith Cavell plötzlich einen Bären am Straßenrand entdeckt haben. Der hat nach irgendwas gewühlt und sich überhaupt nicht beeindrucken lassen. Für einen Ausstieg aus dem Auto hat uns zwar der Mut gefehlt, aber auch so war es ein sehr beeindruckendes Erlebnis!

Bär im Jasper Nationalpark

Die heißen Quellen in Miette entpuppten sich als künstlich angelegte Schwimmbecken am Berghang. Das Wasser kommt wohl aus den heißen Quellen, aber ein bisschen mehr Stil hätten wir schon erwartet. Immerhin war der Eintritt mit $6 vergleichsweise günstig.

Den letzten Abend haben wir ganz stilvoll im Downstream Restaurant am Connaught Drive verbracht. Hier haben wir als Abschluss unserer Nationalpark-Touren gegrillten Bison und Elch gegessen. Morgen geht es wieder zurück in die Zivilisation nach Vancouver und dann sind wir auch schon auf der letzten Station unserer Reise.

Erkenntnisse: Es ist billiger ein Auto für einen Tag auszuleihen als zwei Fahrräder.

Nach nur zwei Nächten im überfüllten Banff machten wir uns per Mietwagen auf den Weg nach Jasper. Diese Kleinstadt verspricht eine ähnliche Natur wie Banff, beherbergt aber weitaus weniger Touristen.

Der Weg nach Jasper führte uns zunächst auf den Bow Valley Parkway, dann ein kurzes Stück auf den Trans-Canada Highway und schließlich auf den Icefields Parkway. Letztere gilt als eine der schönsten Fernstraßen der Welt – und das zurecht! Auf den 230 km gibt es unzählige Seen, Flüsse, Wasserfälle, Canyons, Berge, Täler, Aussichtspunkte und sogar Gletscher. Alles ist hervorragend erschlossen, so dass man eigentlich nur aus dem Auto aussteigen muss und schon mittendrin ist.

Für mich waren die beiden Seen Moraine Lake und Peyto Lake die absoluten Highlights. Das ist wirklich Kanada, wie es im Bilderbuch steht. Dafür fanden wir die hochlobte Fahrt auf dem Columbia Icefield so uninteressant, dass wir diese gar nicht erst mitgemacht haben. Einziger Wermutstropfen waren die vielen Touristen bei den Attraktionen.

Moraine Lake

Am Ortseingang von Jasper wurden wir dann von einer Horde Wapitis (Hirsche mit einem auffälligen weißen Hinterteil) begrüßt. Damit waren wir endgültig in der Natur angekommen und werden in den nächsten Tagen hoffentlich auch noch andere Tiere zu Gesicht bekommen. Ein Bär steht bei uns ganz oben auf der Wunschliste, denn eigentlich ist dieser schon längst überfällig.

Wapitis in Jasper

Erkenntnisse: Der Icefields Parkway ist mindestens genau so schön wie der Big Sur in Kalifornien.

Ein Liter Benzin kostet in Kanada schlappe 0.92 Euro.

Hoch