Cottbusverkehr im Tiefschlaf

Heute gab es mal wieder für mich einen Grund, mich über das Unvermögen mancher Menschen aufzuregen. Diesmal geht es ganz konkret um den Cottbusverkehr, der die Bus- und Bahnlinien in Cottbus betreibt. Die Sache hat eine kleine Hintergrundgeschichte, die ich gerne mal erläutern möchte.

Vor etwa einem Jahr habe ich ein Praktikum in der Nähe vom Hauptbahnhof in Cottbus gemacht. Nach dem Feierabend bin ich auch immer schön mit meinem Semesterticket mit der Straßenbahn von der Haltestelle Hauptbahnhof nach Hause gefahren. So ziemlich jeden Freitag sind im benachbarten Radisson Blu (SAS) Sas Hotel auch massenweise Touristen abgestiegen, die sich gerne mal die Innenstadt von Cottbus anschauen wollten. Da die Haltestelle gleich vor der Tür ist, bietet es sich natürlich auch an, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen. Da gibt es leider nur ein kleines Problem: Es gibt an der Haltestelle keine hinreichenden Informationen darüber, wie man denn eigentlich in die Innenstadt kommt.

Es gibt weder eine Karte, wo die Sehenswürdigkeiten aufgezeichnet sind, noch gibt es einen ordentlichen Haltestellenplan, auf dem man erkennen kann, wo sich die Innenstadt bzw. die touristischen Ziele befinden (ganz zu schweigen von der mikrigen Schriftgröße, die man ohnehin nicht lesen kann). Woher soll ein Tourist wissen, dass er an der Stadtpromenade aussteigen muss, wenn er zum Spremberger Turm möchte? Weiß der Tourist überhaupt, dass er zum Spremberger Turm möchte?

Naja, jedenfalls wurde ich so ziemlich jeden Freitag gefragt, wo es sich denn eigentlich lohnt hinzufahren und wie lange das ungefähr dauert. Die Fragen habe ich natürlich gerne beantwortet, jedoch stellte ich mir die Frage, wieviele Leute denn sonst verzweifelt durch Cottbus fahren, um die Sehenswürdigkeiten zu finden? Was ist, wenn nicht gerade so ein auskunftsfreudiger, junger Mensch an der Haltestelle steht bzw. keiner da ist, der Englisch sprechen kann? Da ich nicht nur meckern, sondern auch Dinge verbessern möchte, hatte ich dem Cottbusverkehr im letzten Jahr eine E-Mail geschrieben und darauf hingewiesen, dass sich massenweise Touristen am Bahnhof verirren und von dort nicht weiterkommen. So sah die E-Mail aus:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich würde gerne einige Verbesserungsvorschläge loswerden, die mir beim täglichen Pendeln mit dem Cottbusverkehr auffallen.

– In der Straßenbahn Linie 2 von Ströbitz Richtung Hauptbahnhof gibt es immer wieder Fahrgäste mit Koffern, die offensichtlich zum Bahnhof wollen, aber bereits an der Station „Stadtring/Hauptbahnhof“ aussteigen. Kann man da nicht die automatische Ansage verbessern und so etwas durchsagen wie „Fahrgäste zum Hauptbahnhof steigen bitte die nächste Station aus“?

– Im Generellen vermisse ich Durchsagen in Englisch. Wir leben in einer globalisierten Gesellschaft und auch in Cottbus gibt es viele Ausländer (gerade auch an der Uni). Kann man die wichtigen Stationen nicht auch in Englisch ansagen? Fremdsprachliche Gäste der Stadt gehen einfach mit einem positiveren Gefühl in den Öffentlichen Nahverkehr, wenn Ansagen auch in Englisch gemacht werden.

[…]

Ich würde mich freuen, wenn ich eine Rückmeldung zu meinen Ideen bekommen würde. Vielleicht kann man ja einige Dinge schon recht zeitnah umsetzen.

Viele Grüße

XXX

PS: In wenigen Monaten fängt das neue Semester an, dann können Fahrpläne in die Briefkästen der Studentenwohnheime gesteckt werden bzw. an der Uni ausgelegt werden.

Nach 4 1/2 Wochen (!) hatte ich tatsächlich eine Antwort in meinem Postfach. In der Antwort wurde ich darauf verwiesen, dass die Anpassung der Haltestellen-Ansagen enorme Kosten verursachen, da die Geräte in den Straßenbahn dafür umgerüstet werden müssten. Ich habe das dann so hingenommen und habe in der Antwort E-Mail gleich noch auf das Problem mit den mangelnden Informationen hingewiesen:

Sehr geehrter Herr XXXXX,

[…]

Eine Sache möchte ich aber noch ansprechen. Ich erlebe es immer wieder,
dass mich Gäste (Touristen) aus dem Radison SAS Hotel an der
Staßenbahn-Haltestelle am Bahnhof fragen, wie man denn in die Innenstadt
kommt und wo man dort aussteigen muss. Es gibt dazu leider nicht
ausreichend Informationen. Es gibt keine Haltestelle die „Innenstadt“
heißt, auch gibt es keine Informationen auf den Fahrplänen „verkehrt
durch Innenstadt“ oder ähnliches. Die Leute sind dort schlichtweg
überfordert. Könnte man dort nicht plakativ die Fensterscheiben bekleben
mit einer klaren Ansage, dass man mit der Linie 2 zur Haltestelle
Stadtpromenade in unter 10 Minuten die Innenstadt kommt (optimalerweise in Deutsch und in Englisch)?

Auch sind die Wegweiser an der Haltestelle Hauptbahnhof, die zur
Straßenbahnhaltestelle in der Bahnhofsstraße verweisen, sehr verwirrend
für Fremde. Es fehlen Entfernungsangaben und die wenigsten Gäste
verstehen, dass sich eine weitere Haltestelle hinter der Pückler Passage
befindet.

Versetzen Sie sich einfach mal in die Lage der Gäste und Sie werden feststellen, dass die Informationen wirklich nicht gut sind. Gerade auch für Touristen, die Zuhause wenig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Meines Erachtens könnten die Mängel auch relativ einfach behoben werden, wenn man möchte.

Daraufhin kam eine relativ schnelle Antwort, dass man überprüfen werde, ob die Fahrgastinformationen ausreichend sind. Für mich war das Thema damit mehr oder weniger gegessen.

Heute lese ich dann in der Zeitung, dass der Cottbusverkehr seine Ansagen in der Straßenbahn mit Kinderstimmen neu aufgenommen hat (Pressemitteilung). Die Stimmen wurden demnach beim „Tag der offenen Tür“ im Mai aufgenommen. Nach einer Fahrt mit der Straßenbahn musste ich tatsächlich feststellen, dass die Ansagen geändert wurden, obwohl es ja laut E-Mail vom Cottbusverkehr „teure Umrüstungen“ an den Fahrzeugen erfordert. Die Ansage am Stadtring/Hauptbahnhof wurde natürlich so gelassen wie vorher, damit auch auswärtige oder ausländische Gäste ja nicht Bescheid wissen, wo sie eigentlich aussteigen sollten. So wird man also als mündiger Bürger verarscht!

Es passt irgendwie alles ins Bild, erst wollen sie die Straßenbahn abschaffen und nur nach heftiger Kritik aus der Bevölkerung wird mal drüber nachgedacht, wie man denn die Linienführung optimieren könnte. Die Leute denken hier einfach nicht innovativ, sondern sind einfach nur um Schadensbegrenzung bemüht. Es fehlen Konzepte, Ideen und vielleicht auch fähige Leute.

Immer noch steigen Leute mit Koffern am Stadtring aus, weil sie nicht wissen, dass man zum Bahnhof noch eine Station weiterfahren kann. Jeden Abend machen sich Studenten darüber lustig, dass nach Cottbuser Zeitrechnung schon um 20.30 (!) der Nachtverkehr beginnt. Dass in Cottbus die Lichter etwas früher ausgehen als in größeren Städten, ist hinlänglich bekannt, aber dass die Bus- und Bahnlinien nach 20.30 Uhr schon als Nachtbus bezeichnet werden, zeugt doch eher von marketingtechnischen Unvermögen. So kann man natürlich auch das Ansehen und die Akzeptanz des Unternehmens stärken. Fragt sich nur, wann die Herrschaften endlich mal aus dem Tiefschlaf erwachen und zeitgemäßen ÖPNV anbieten. Ob ich das noch erleben werde?

Cottbus mit dem Fahrrad entdecken

Es ist Sonntagabend und ich habe keine Lust mehr, an meiner Masterarbeit zu schreiben. Nicole ging es ähnlich und so haben wir uns spontan entschlossen, an diesem bewölkten Abend noch eine kleine Radtour durch Cottbus zu machen. Kenner wissen, zwischen den sanierten und unsanierten Plattenbauten findet man hier erstaunlich schöne Gebäude, die noch vom Glanz der Stadt in vergangenen Epochen zeugen. Unsere Tour begann am Altmarkt und führte uns südwärts durch die Altstadt zum Tierpark und zurück.

Altmarkt

Nachdem ich mich mit Nicole am Brunnen auf dem Altmarkt getroffen habe, fahren wir zunächst durch die Spremberger Straße (auch Sprem genannt) in Richtung Süden. Am Ende der Sprem findet man das Wahrzeichen von Cottbus, den Spremberger Turm. Wir besteigen den Turm aber heute mal nicht, sondern fahren direkt weiter in die Straße der Jugend bis zum Gladhouse.

An der Gabelung von Bautzener- und Parzellenstraße finden wir in einer ruhigen und eigentlich sehr schön gestalteten Nachbarschaft das erste leere Fabrikgebäude. Leider gibt es kein Hinweisschild, was dort mal produziert wurde, aber die Stuckarbeiten am Giebel zeigen, dass die Fabrikbesitzer auch einen Sinn für Kunst hatten. Unser Interesse an Architektur endet in einer Diskussion, was man denn aus dieser Fabrik (keinen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt), so schönes machen kann.

Wir folgen dem Verlauf der Parzellenstraße und überlegen kurz, ob wir bei Billy’s Eckchen noch ein Radler trinken. Letztendlich fahren wir ohne anzuhalten weiter und überqueren die Bahnschienen, wo wir weitere schöne Fabrikgebäude und Fabrikantenvillen entdecken. Schade, dass man hier nicht herausbekommt, wofür diese Gebäude genutzt wurden (Textilindustrie vielleicht?).

Büroräume in alten Fabriken

Wir unterqueren den Stadtring, vorbei an der Trainingsstätte des FC Energie Cottbus und weiteren schönen Industriegebäuden bis wir die Spree und den gleichnamigen Radweg erreichen. Dieser wurde hier als schöne Allee ausgebaut mit der Spree auf der linken und Kleingartenanlagen auf der rechten Seiten. Nach ca. 800 Meter kommt eine Holzbrücke, auf der man über die Spree zum Tierpark gelangt. Das Ufer sieht hier sehr urwüchsig aus, das ist bestimmt auch nett mit dem Paddelboot.

Spree im Süden von Cottbus

Kurz hinter der Brücke erreichen uns tierische Gerüche (im wahrsten Sinne des Wortes), so dass der Tierpark wohl nicht mehr fern ist. Leider können wir keine Tiere von draußen entdecken, das Gelände ist hier einfach zu dicht bewachsen. Uns verlässt die Lust weiterzufahren, als kehren wir um und treten die Heimfahrt an.

Brücke über die Spree zum Tierpark

Immer wieder Abschied

Alles im Leben ist irgendwann mal zu Ende, so auch die tolle Zeit mit den Erasmusstudenten vom Jahre 2009/2010 in Cottbus. Nachdem das Semester vor 2 Wochen zu Ende gegangen ist, verabschieden sich nun mehr und mehr Studenten aus der Lausitz. Leider konnte ich nicht zu so vielen Abschiedsfeiern gehen, da meine Masterarbeit mir die Zeit und Lust zum Feiern raubt.

Heute sind nun Julio und Victor zurück nach Spanien geflogen, die beide in den letzten Monaten gute Freunde geworden sind. Wir haben uns geschworen, dass wir uns bei einer Re-Union bald wiedersehen werden und ich hoffe, das klappt auch! Ich hatte eine coole Zeit mit euch (und natürlich all den anderen Leuten), das war noch mal ein schönes letztes Kapitel für mein eigenes Studium. Ob ich im nächsten Semester noch einmal Betreuer für die Austauschstudenten mache, muss ich erstmal überlegen. Ich glaube, die Zeit wird ganz schön knapp!

Party im Quasimono
Party im Quasimono

Haste Luego Julio y Victor!