Wohnungsleerstand in Schwedt? Und warum finde ich dann keine Wohnung?

Mittlerweile lebe ich seit 7 Wochen wieder in meiner alten Heimat Schwedt und bin beruflich auch schon ganz gut angekommen. Nur mit einer eigenen Wohnung hat es bis jetzt immer noch nicht so richtig geklappt.

Das erste Mal hatte ich Mitte Dezember bei der örtlichen Wohnbauten GmbH nach einer WG angefragt. Die Frau am Telefon war regelrecht schockiert und gab mir zu verstehen, dass man so etwas „nicht gerne sieht“. Außerdem sollte ich doch bitte erst meine Eigentumsverhältnisse darlegen und ein 3 Seiten Word-Dokument ausfüllen. Dabei wollte ich doch eigentlich nur wissen, wo es freie Wohnungen gibt?! Das fand ich schon mal frech, also habe ich die Wohnungssuche erstmal abgebrochen.

Anfang Januar habe ich erstmal wieder den Wohnungsmarkt im Netz durchforstet und dann probiert, bei der Wobag (anderer Wohnungsanbieter in Schwedt) eine Wohnung zu bekommen. Aber auch hier war man scheinbar nur daran interessiert, Informationen über meine Eigentumsverhältnisse zu sammeln. Meine Anfragen per E-Mail blieben alle unbeantwortet (per Telefon hatte ich auch nie „den zuständigen Ansprechpartner“ erreicht). So musste ich ein Online-Formular ausfüllen. In der folgenden Woche bekam ich dann tatsächlich Angebote für Wohnungen in Schwedt zugesandt – per Post (Willkommen im Zeitalter der modernen Kommunikation). Die Freude war allerdings nur von kurzer Dauer, denn die Einzugstermine für die Wohnungen wurden mit Juni 2011 eingegeben. Hallo!? Bin ich hier in München oder was?

Wiederum angenervt habe ich es erneut bei der anderen Wohnungsgesellschaft versucht. Ich habe in den sauren Apfel gebissen und meine Vermögensverhältnisse in einem Word-Dokument dargelegt. Zwei Tage später bekam ich dann einen Anruf (hier ist man anscheinend schon etwas weiter mit der modernen Kommunikation) und eine nette Dame am Telefon bat mir eine Wohnungsbesichtigung für nächste Woche an. Siehe an, auf einmal geht es so schnell?

Nun bin ich gespannt, wie die Wohnungsbesichtigung nächste Woche verläuft. Um ehrlich zu sein, ich finde es sehr bedenklich, wenn mir die Wohnungsgesellschaft nur eine Wohnung zur Besichtigung anbietet, wenn ich denen mein monatliches Gehalt offenbare. Auch hätte ich mir ein wenig mehr Service versprochen, gerade aufgrund des hohen Wohnungsleerstandes in Schwedt. Und warum ich nach um 11 Uhr keinen mehr bei der Wohnbauten GmbH erreiche, kann ich echt nicht nachvollziehen. Oder hatte ich es mir zu einfach vorgestellt?

UPDATE: Die Wohnungsbesichtigung war recht gut. Wir durften uns zwei Wohnungen anschauen und haben uns für die kleinere in der Heinersdorfer Straße entschieden. Eine Woche später habe ich den Mietvertrag unterschrieben. Die Wohnungsabnahme musste ich allerdings alleine machen, weil kein Mitarbeiter mehr nach 16 Uhr zur Verfügung steht. Nun muss alles tapeziert werden, trotzdem überwiegt die Freude auf die neue Wohnung.

Berlin, das größte Dorf Deutschlands

Ich möchte diesen Artikel mal nutzen, um etwas über Berlin bzw. die teilweise selbstherrlichen Kinder dieser Stadt abzulassen. Obwohl der größte Teil der Berliner absolut in Ordnung ist, treffe ich immer mal wieder vereinzelte Subjekte dieser Stadt, die scheinbar total verblendet sind oder noch nie aus ihrer Stadt rausgekommen sind. Gerade gestern hatte ich bei einer Party in Cottbus mal wieder eine Studentin aus Berlin getroffen, die mir mit Stolz verkündet hat, dass sie aus Berlin kommt.

Klar, als Kind der deutschen Hauptstadt kann man schon ein wenig mit geschwollener Brust rumrennen. Aber Berlin ist ganz gewiss keine Weltstadt, wie es mir das Mädel auf der Party verständlich machen wollte. Jeder, der schon mal in New York, Tokyo, Bejing oder London unterwegs war, weiß, was richtige Weltstädte sind. Dagegen ist Berlin sowohl von der Einwohnerzahl als auch kulturell und wirtschaftlich eher eine Kleinstadt. Das mag in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts anders gewesen sein, aber spätestens mit der totalen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hat Berlin seinen Status als Weltstadt verloren.

Zudem wurde die Chance eines geordneten Wiederaufbaus der Stadt nach der Wiedervereinigung vertan. Am Mauerstreifen entstanden Schnellstraßen oder triste Wohnbauten. Den repräsentativen Palast der Republik hat man aus fadenscheinigen Gründen abgerissen. Am Potsdamer Platz wurde der Stadt ein Schmalspur-Manhattan gegegeben, was in Größe, Schönheit und Flair aber nicht mal annähernd New York das Wasser reichen kann. Das historische Zentrum der Stadt um den Alexanderplatz und das Nikolaiviertel wurde in den letzten Jahren konzeptlos mit Einkaufsbunkern zugepflastert. Verglichen mit dem Marienplatz in München hat dieses Gebiet den Charme einer Autobahnraststätte.

Es ist einfach so, wie es ist. Mode wird in Paris, London und Mailand gemacht. Finanzen in New York, London und Frankfurt. Schöne Strände und Sonnenschein gibt es in Rio. Theater und Unterhaltung findet man am Broadway. Auch erstklassige Fußballmannschaften findet man anderswo und selbst einen Apple-Store, den Städte wie Dresden oder Oberhausen besitzen, sucht man in Berlin vergeblich. Das einzige Weltstädtische in Berlin ist für mich die Museumslandschaft. Die bedeutendsten Kunstgalerien (MoMa, Met, Luvre) stehen zwar in anderen Städten, aber dafür gibt es wirklich gute historische Museen wie das Pergamon-Museum.

Ansonsten ist Berlin einfach eine (für deutsche Verhältnisse) große Stadt, in der man zwar viel erleben kann, aber gewiss nicht auf dem Niveau von Weltstädten. Trotzdem bin ich gerne in Berlin und genieße den Trubel.

Also liebe Berliner, nun bin ich mal auf eure Reaktionen gespannt. Zum Glück kann man ja in einem Blog seine Meinung mittels Kommentaren verbreiten. Die arrogante Bekanntschaft bei der Party kam übrigens aus Berlin-Tegel. Darauf kann man wahrhaftig stolz sein. 🙂