Gedanken eines Rückkehrers

Seit nunmehr 10 Wochen lebe und arbeite ich wieder in meiner alten Heimat in Schwedt. Heute habe ich es endlich mal geschafft, einen Rundgang durch meine ehemalige Wohngegend zu machen. Und ich muss schon sagen, mir blutet echt das Herz, wenn ich sehe, wie viele Orte der Kindheit abgerissen wurden oder vor sich hingammeln. An den Orten, wo früher das blühende Leben tobte, sieht man heute nur noch grüne Wiesen. Vereinzelt lassen noch alte Straßen die früheren Ausmaße der Wohnkomplexe erahnen. Meine Kindheitserinnerungen sind noch präsent, nur die Orte finde ich heute nicht mehr.

Geschlossene Kaufhalle in der Engels-Straße

Welchen Wandel die Stadt in den letzten Jahren durchgemacht hat, ist schon Wahnsinn. Einst eine der jüngsten Städte der DDR mit einem Altersdurchschnitt von nicht mal 30 Jahren (!), nun eine alternde Stadt scheinbar ohne Zukunftsperspektive. Ich bin einer der wenigen, die nach Jahren wieder zurückgekommen sind. Viele sind gegangen und kommen nie mehr zurück. Ich frage mich, was für Schicksale hinter den tausenden von Leuten stecken, die diese Stadt verlassen haben. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat, seine Familie und Freunde. Was ist aus den Leuten geworden? Geht es den Leuten jetzt besser? Wie würde Schwedt heute aussehen, wenn die Wiedervereinigung nicht gekommen wäre? Fragen, die mir keiner beantworten kann.

Ich möchte an dieser Stelle die Zukunft von Schwedt aber nicht allzu düster ausmalen. Vielmehr konzentriere ich mich auf die schönen Aspekte von Schwedt, von denen es zweifellos einige gibt. Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn Schwedt wieder zum Leben erweckt und man die Natur genießen kann. Ich freue mich, die Gegend mit dem Fahrrad neu zu entdecken. Und ich freue mich auf viele neue Bekanntschaften und Gesichter. Erste Kontakte sind geknüpft, aber diese gilt es nun auszubauen.