Von Helsinki Richtung Heimat

Ziemlich fertig wachten wir auf den Matratzen in unserer Couch-Surfing WG auf. Der letzte Tag unserer Reise war angebrochen und so langsam ist es auch Zeit, wieder nach Hause zu kommen.

Um uns für die Gastfreundschaft bei den Finnen zu bedanken, haben wir heute noch ein üppiges Brunch vorbereitet. Leider hat nur ein Mitbewohner daran teilgenommen, da der Rest nicht anwesend war bzw. seinen Rausch ausschlafen wollte. Also haben wir mit Pauli noch kurz was gegessen und haben uns dann zum Flughafen begeben. Dieser liegt etwas außerhalb von Helsinki, aber ist mit einem Bus günstig zu erreichen.

Kurz vor 20 Uhr bin ich Passow angekommen und habe mich von meinen Eltern abholen lassen. Eine anstrengende, aber interessante Reise geht zu Ende. Glücklicherweise habe ich die nächsten Tage noch Urlaub, um mich tatsächlich mal zu erholen.

Helsinki mal anders

In den letzten Tagen hatten wir ja vermehrt in bezahlten Appartements geschlafen, doch leider gab es in Helsinki nicht so wirklich gute preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten. Also sind wir auf Couchsurfing umgestiegen und hatten uns kurzerhand in einer 3er WG unweit der Nokia Hauptzentrale eingenistet.

Couch Surfing in Helsinki

Erster Eindruck von Helsinki: Sehr modern und im Vergleich zu Tallinn auch sehr großstädtisch. Wir bewegten uns also von unserer Fähre durch das dunkle Helsinki und standen auf einmal in einem neuen Wohngebiet vor einem Hauseingang. Doch wie kommt man in die Tür rein? Natürlich nur über einen geheimen Zahlencode.

Also schnell noch unseren Host Pauli angerufen und nach dem Code gefragt. Der war aber gerade mit ein paar Dänen essen, also hat er seinem Mitbewohner Bescheid gesagt, welcher wiederum nach unten kam, um uns die Tür aufzumachen. Und schon waren wir in einem 1600 € Appartement unweit des Zentrums 🙂

Alle Mitbewohner in der WG waren Phd-Studenten in Physik, also hatte Anita auch gleich etwas zu quatschen. Meine klassischen Themen wie Fußball oder Eishockey waren dagegen nicht so angesagt. Mit einer Diskussion über die Unabhängigkeit Finnlands habe ich dann aber doch noch die Kurve gekriegt und konnte mich in die intellektuelle Diskussion einbringen.

Die Jungs haben uns auch gleich eine Empfehlung für die Stadtbesichtigung gegeben. Diese haben wir auch am nächsten Tag in die Tat umgesetzt. Das uns empfohlene Villenviertel war zwar eher eine Ansammlung von zentraleuropäischen Vorstadthäusern, aber dafür hat mir der klassizistische Senatsplatz mit dem Dom und dem Uni-Hauptgebäude ganz gut gefallen. Achja, und die Esplanadi (Flaniermeilen) waren ganz nett. Ansonsten sieht man in Helsinki eigentlich nur moderne Bebauung ohne viel Geschichte.

Esplanadi

Esplanadi

Das Nachtleben ist durchaus mit dem in anderen europäischen Großstädten vergleichbar. Zusammen mit ein paar Dänen und unseren finnischen Gastgebern sind wir an unserem zweiten Abend um die Häuser gezogen, um die örtlichen Kneipen auszutesten. Nur die Erledigung des Notdurfts scheint hier sehr liberal gehandhabt zu werden. Nachdem spätestens um 4 Uhr alle Kneipen geschlossen haben, hat sich quasi jeder mit einem gekonnten Sprühstrahl auf dem Bürgersteig verewigt.Wir wollten natürlich nicht als Touristen auffallen, also haben wir auch kurzerhand die Einfahrt zu einer großen Kaufhauskette gewässert.

Alles in Allem war es ein schöner Abend und es ist immer wieder schön, Gleichgesinnte aus anderen Ländern kennenzulernen. Lustigerweise war eine Dänin dabei, die als deutschprachiger Tourguide in Kopenhagen und Skilehrer in Österreich arbeitet.

Kommunismus, Karaoke und kaltes Wetter

Am fünften Tag unserer Reise verließen wir das WLAN-Mekka Tallinn und machten uns auf den Weg weiter Richtung Norden nach Helsinki.

Nicht jedoch, ohne einen Abstecher zu dem vor sich hingammelnden, sozialistischen Vorzeigetheater „Linnahall“ zu machen. Wenn man diesen Betonklotz besteigt, hat man das Gefühl eine Nordkoreanische Raketenbasis zu erklimmen – irgendwie erschreckend und interessant zugleich.

Konzertsaal aus Sowjetzeiten

Alles in allem war Tallinn für mich deutlich interessanter als Riga. Also perfekt für eine Städtereise, da es dort sehr viel zu sehen gibt. Neben der mittelalterlichen Stadt selbst werden mir definitiv die vielen kleinen Bars, Restaurants und Cafés in Erinnerung bleiben. Hier gibt es wirklich eine Gastronomie-Kultur.

Ein Erlebnis war auch die Überfahrt mit der Fähre von Tallinn nach Helsinki. Wir hatten uns emotional auf eine ruhige und langweilige Überfahrt eingestellt, aber stattdessen war die Fähre das Partyboot für junggebliebene Rentner. Noch bevor wir in Tallinn abgelegt hatten, ging in unserer Sitzgruppe eine Karaokeparty los und die Leuten drängelten sich um das Mikrofon. Im Saal nebenan spielte ein Band Schunkellieder und forderte die Reisenden zum Tanzen auf. Das haben wir so absolut nicht erwartet.

Good Bye Riga, Hello Tallinn

Am dritten und letzten Tag in Riga hat uns der Wecker schon recht früh aus dem Bett geworfen, schließlich mussten wir unseren Bus nach Tallinn bekommen. Für 9,20 Lats (ca. 13 EUR) haben wir Tickets in einem sehr modernen Reisebus bekommen.

Zu unserer Überraschung begrüßte uns der Busfahrer in drei Sprachen (das soll ein Busfahrer in Deutschland mal nachmachen) und erklärte uns die Tour nach Tallinn. Die gut vierstündige Fahrt auf der Europastraße 67 („Via Baltika“) führte uns vorbei an schier endlosen Waldgebieten und Seen, was mich irgendwie an die Busfahrten durch Schweden erinnerte. Die Grenze zwischen Lettland und Estland sah genau so leer aus wie die in Schwedt. Es gab keine Kontrollen, lediglich in der nächsten Ortschaft wurden wir kurz angehalten, um unsere Tickets vorzuzeigen.

Und dann waren wir auch schon in Tallinn, welches mir deutlich lebhafter vorkam als Riga (und das obwohl es deutlich kleiner ist). Unsere Unterkunft mit dem tollen Namen „Flying Kiwi Hostel“ lag in der Altstadt direkt am Aufgang zum Domberg. Gefühlt war die Temperatur in unserem Zimmer zwar geringer als draußen, aber das war uns erstmal egal, da uns der Magen knurrte.

So haben wir uns in der angesagten Kneipe „Hell Hunt“ zwischen gut beschützten Diplomaten erstmal etwas Herzhaftes zum Mittag gegönnt und einen Tourenplan gemacht. Nach der Stärkung haben wir dann den nahegelegenen Domberg bestiegen. Neben dem Estnischen Parlament, der Alexander Nevski Kathedrale und dem Dom findet man hier haufenweise Botschaften, die in schick renovierten Häuschen beherbergt sind. Ganz nebenbei hat man von dort oben auch eine prima Aussicht über die Stadt. Leider hat uns der Qualm von einem weit entfernten Feuer etwas die Sicht vermiest, aber man kann ja nicht alles haben.

Tallin von Domberg

Ziemlich kaputt und durchgefroren gönnten wir uns anschließend eine heiße Schokolade im „Café Kehrwieder“. Dann war der Tag auch schon fast wieder rum. Nachdem wir unser Zimmer mit einem Mini-Heizlüfter auf eine Temperatur über 16 Grad hieven konnten, schliefen wir entspannt ein.

Kalt, aber herzlich

Ordentlich ausgeschlafen weckten uns trotz des zu erwartenden schlechten Wetters einige Sonnenstrahlen in unserem Dachgeschoss-Zimmer. Die Temperatur draußen war nur unwesentlich kälter als drinnen, also gönnten wir uns ein ausgiebiges Frühstück im nahe gelegenen Pirmčeks.

Wir entschlossen uns, weiter die Touristenrouten abzuklappern. Also ging es zunächst rauf auf die Petrikirche (es gibt hier eine Aussichtsplattform auf 72 Metern Höhe), wo wir bei sibirisch kalten Winden den Ausblick über Riga genossen. Anschließend trieb es uns zum Pulverturm mit einem Stück erhaltener Stadtmauer schließlich zur Christlich-Orthodoxen Kirche etwas abseits des Stadtzentrums.  Wie es der Zufall so will, wurden wir dort Zeuge einer heiligen Messe, deren Gebräuche mir noch (be)fremdlicher waren als die herkömmlicher Gottesdienste.

Riga

Ziemlich zugenebelt ging es dann zurück ins Stadtzentrum. Dort haben wir den örtlichen Hesburger besucht, um einen Vergleich mit den uns bekannten Fastfood-Ketten herzustellen. Und in der Tat, preislich und geschmacklich sind die Burger durchaus konkurrenzfähig im Vergleich zu den einheimischen Ketten.

Den Abend haben wir noch in der Sia Olive Oil („Čeks“) bei Bruschetta und einem Glas Wein stilvoll ausklingen lassen. Nur die Frage, ob die Kellnerin nach ihrer Schicht noch einen Zusatzdienst für den Geschäftsmann an der Bar erbringt, konnten wir bis zum Ende des Abends nicht zweifelsfrei klären.

Erkenntnisse: Die Bars und Restaurants hier sind überaus stilvoll eingerichtet.

In Lettland werden Filme so schlecht synchronisiert, das glaubt man gar nicht. Wir haben einen Film gesehen, wo eine einzige emotionslose Stimme den ganzen Film synchronisiert. Dabei war es völlig egal, ob im Film geflüstert oder geschrien wird. Vom Geschlecht des Schauspielers mal ganz zu schweigen.

Abflug nach Riga

Da mein Sommerurlaub ja leider ins Wasser gefallen war, entschloss ich mich meinen Herbsturlaub im Baltikum zu verbringen. Mit von der Partie war auch Anita, mit der ich ja schon England bereist habe.

Meinen ersten Eindruck von Lettland bekam ich, als meine Propellermaschine beim Landeanflug die Wolkendecke durchstieß. Eigentlich sieht man nur Wald und kaum Population.

Bei der Fahrt mit dem Transferbus entdeckt man noch vereinzelt Holzhäuser an den Schnellstraßen stehen, die wohl einen Hinweis auf die Architektur vergangener Tage geben. Ansonsten sieht man die Dependancen westlicher Autohersteller und vereinzelt auch Plattenbauten wie in Berlin-Marzahn.

Nach 20-minütiger Fahrt mit dem Flughafen-Bus fand ich mich auch schon im Stadtzentrum von Riga wieder und musste mir durch die verwinkelten Gassen der Altstadt den Weg zum Red Roof Hostel bahnen. Auf den 500 Metern bin ich an 3 riesigen, modernen Einkaufstempeln vorbeigelaufen. Ob die wohl für die vielen Touristen sind? Sonderlich voll kam mir die Umgebung jedenfalls nicht vor.

Nach einem ersten Rundgang mussten wir feststellen, dass auch in Lettland am Montag oftmals Ruhetag ist und somit die wichtigsten Museen geschlossen haben. Um die Zeit bei Regen trotzdem einigermaßen sinnvoll über die Runden zu bringen, enterten wir einen der vielen Kosumtempel, um recht schnell festzustellen, dass die Textilienpreise hier genauso hoch sind wie in Deutschland. Man fragt sich, wie ein Lette sich das leisten kann?!

Also sind wir weiter zu den Markthallen am Zentralmarkt, die preislich wohl eher dem lettischen Preisgefüge entsprechen. Nur etwas Warmes zu essen findet man dort nur sehr schwierig.  Wir haben bestimmt für eine Stunde etwas gesucht, bis wir dann zwischen halbierten Schweinen und stinkendem Fisch doch noch fündig wurden. Einen Gulaschteller für 1 EUR hätte ich im Stadtzentrum wohl nicht bekommen. Und auch für die überaus leckeren Süßspeisen zum Nachtisch hätte man woanders locker das 3-4 Fache bezahlt.

Markthalle in Riga

Nach der ziemlich geruchsintensiven Markthallen-Erfahrung gingen wir weiter zum Botschaftsviertel, welches viele schöne Gründerzeit Gebäude beherbergt. Dort findet man auch schöne Restaurants, wie das mehrfach empfohlene KID. Wir gönnten uns da ein ziemlich gehobenes Essen zu bodenständigen Preisen. Da der Abend noch jung war, haben wir im BonVivant noch ein (paar) Absacker getrunken.

Der Heimweg durch die engen Gassen von Tallinn erfolgte dann eher auf indirektem Wege, da die Straßen bei Dunkelheit und Alkohol im Blut einfach mal ganz anders aussehen. Nichts desto trotz, wir haben es geschafft und sind relativ zeitnah ins Bett gefallen.

Erkenntnisse: Lettisch klingt wie eine Mischung aus Schwedisch und Finnisch.

Man sieht im Stadtbild noch des Öfteren kyrillische Buchstaben.

Image-Film von Schwedt

Speziell für die Immobilienmesse EXPO REAL 2011 in München hat die Stadt Schwedt/Oder als regionaler Wachstumskern einen neuen Image-Film erstellt. Ich finde die Sache eigentlich sehr gelungen, deswegen möchte ich das euch nicht vorenthalten:

Energize in Schwedt

Bei wem der Film Interesse an der Region geweckt hat, kann hier mal auf dem Immobilienmarkt nachschauen. Als Schwedter nimmt man die Erdölraffinerie, die Papierfabriken und den Hafen schon als ganz normal hin. Dabei sind es sehr große Unternehmen mit einer großen Ausstrahlung für die gesamte Region. Der Film macht dies noch einmal mehr deutlich.