Boykott im Exit

Gestern war mal wieder einer der Abende, die unscheinbar anfingen und dann völlig unerwartet endeten. Eigentlich wollten Michael und ich uns einen ruhigen Abend im örtlich Pub machen, doch wie es der Zufall so will, haben wir bei Facebook vom Auftritt der Band Boykott im EXIT Live Club gelesen. Weder die Band noch der Club waren uns bekannt, also haben wir kurzerhand unseren Plan geändert und sind ins EXIT gefahren.

Zu unserer Überraschung befindet sich das EXIT in der Nähe zur ehemaligen Perle (bzw. Diskothek PZwo), die man ja zu Abi-Zeiten in aller Regelmäßigkeit besucht hat. Von dem Club um die Ecke habe ich jedoch nie etwas mitbekommen. Vielleicht war meine gesellschaftliche Einstellung damals einfach anders!? Sei es drum, in einer unscheinbaren Baracke im Stile eines LPG-Verwaltungsgebäudes konnten wir das EXIT ausfindig machen.

Dort erwartete uns das absolute Kontrastprogramm zur üblichen Schwedter Partyszene: Keine solariumverbrannten Tussis, keine aufgepumpten Typen mit Silberketten und auch keine Kinder, die vom Alter her eigentlich zu Hause bei Mutti sein müssten. Nein, stattdessen trafen wir auf alternative und überaus sympathische Leute in unserem Alter, die einfach nur einen netten Abend verbringen wollten. Sowas hätte ich in Schwedt nicht erwartet!

Die Bar im DDR-Stil bot neben den üblichen Alkoholika auch interessante Mischen wie den „Mexikaner“ (würde jetzt mal spontan sagen Tomatensaft mit Chilli und Vodka), so dass wir schon vor dem Auftritt der Band gut unterwegs waren. Irgendwann nach 22 Uhr hat dann Boykott auch angefangen zu spielen und hämmerten uns saubersten Deutschrock entgegen. Nachdem der Toni auch die Mikrofonprobleme gelöst hatte, ist die Band gut in Fahrt gekommen und hat ordentlich gerockt. Wieder einmal war ich positiv überrascht!

Exit Live Club in Schwedt

Vom Flair und dem Publikum ist das EXIT durchaus vergleichbar mit dem Chekov am Cottbuser Strombad. Ich konnte noch ein paar Worte mit dem Verantwortlichen reden (Micha?) und er hat mir über die Probleme mit der Stadt Schwedt berichtet. Passt irgendwie ins Bild, dass die Rentner-Stadt kein wirkliches Interesse an dem Erhalt einer alternativen Jungendkultur hat. Für mich ist dieser Club jedenfalls die positive Überraschung meiner jüngsten Vergangenheit in Schwedt.

Als sich der Club dann gegen 3 Uhr mehr und mehr leerte, sind wir schließlich auch – mit einem guten Gefühl – nach Hause. Ein gelungener Abend, der echt Lust auf mehr macht. God bless Rock ’n Roll!