Parlez-vous Anglais?

Eigentlich wollte ich mir diese Stadt immer für einen Ausflug mit meiner Freundin aufheben, aber irgendwie hat sich nie die Gelegenheit dazu geboten. Deswegen habe ich mich kurzerhand entschlossen, mit einer ehemaligen Kommilitonin aus meiner Zeit in Schweden für ein paar Tage in die französische Hauptstadt zu fahren.

So bin ich am Dienstag direkt nach der Arbeit mit dem Nachtzug von Berlin Hauptbahnhof nach Paris Gare de l’Est (Paris Ostbahnhof) gefahren. Ich hatte mir extra die bessere Klasse gekauft, trotzdem kam ich ziemlich verknurzelt (dank an Olaf für das Wort) in Paris an, denn mein Kabinennachbar hat in der Nacht mehr geröchelt als geschlafen. Zudem wurde der Zug in der Nacht neu zusammengestellt, so das man regelmäßig durchgeschüttelt wurde. Immerhin bin ich pünktlich um 9.24 Uhr in Paris angekommen hatte somit noch den ganzen Tag zum Erkunden der Stadt.

Maša kam zeitnah mit dem Flieger aus Ljubljana, so dass wir uns früh im Hostel (Le Village) getroffen haben. Der erste Eindruck von Paris war sehr positiv: Es gibt hier viele ansehnliche Gebäude, schöne Straßen, nette Cafés und es ist sogar relativ sauber. Selbst die angeblich so fremdsprachenfeindlichen Franzosen erwiesen sich äußerst redselig. Einzig die Zigeuner nerven ständig mit irgendwelchen Zetteln.

Für den ersten Tag hatten Maša und ich uns gleich die Besteigung des Eiffelturms vorgenommen. Auf Anraten von Freunden nahmen wir die Treppe hoch zur mittleren Aussichtsplattform und es hat sich gelohnt. Etwas übernervöse Amerikaner („There is a security alert up there, you gotta go down!“) hatten uns zwar beinahe noch um den tollen Ausblick gebracht, aber mit der nötigen Portion Sturheit war das plötzlich auch kein Problem mehr.

Vom Eiffelturm sieht man eigentlich alles, was es in Paris zu sehen gibt. Das Marsfeld (Champ de Mars), den Louvre (Musée du Louvre), Triumphbogen, Grand Palais, Notre Dame, Sacré-Cœur und so weiter. Mit diesem tollen Ausblick hatten wir etliche Ziele vor Augen, die wir in sauberer Touri-Manier in den kommenden zwei Tagen über die Runde brachten.

Am dritten Abend wurden wir dann von unserem Touri-Dasein zurück in die Realität geholt, also wir Zeugen einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ein paar Einwanderern Franzosen und Mitarbeitern eines Supermarktes wurde. Nachdem die Halbstarken den Supermarkt verlassen hatten, wurden schnell die Rollläden runter gelassen und wir konnten nur noch Stoßweise das Geschäft verlassen. Danach hat der gekaufte Weißwein aber gleich viel intensiver geschmeckt. 🙂

Am Freitagabend haben wir Abdulaye im Cafe xxx getroffen. Es ist echt spannend zu erfahren, wie sich die ehemaligen Partygenossen beruflich entwickelt haben. Leider haben sich meine anderen französischen Kommilitonen nicht ganz so offen für Treffen gezeigt. Schon etwas enttäuschend, aber nicht umsonst ist bei dem regelmäßigen Växjö Reunification Council wohl kein einziger Franzose dabei.

Volksfeststimmung im Louvre

Für den Samstag haben wir uns ein ganz besonderes Schmankerl aufgehoben. Ich kann mich zwar eher für moderne Kunst begeistern, aber den Besuch im Louvre wollte ich mir trotzdem nicht nehmen lassen. Diese Idee hatten augenscheinlich auch ein paar Tausend andere Touristen, also war anstehen angesagt. Nach gut 30 Minuten waren wir aber schon drin und konnten uns mit den Massen durch die Räumlichkeiten bewegen. Meine persönlichen Highlights waren Dürers Selbstbildnis mit Eryngium oder der Schreibender Erasmus von Rotterdam von Hans Holbein dem Jüngeren. Der Massenandrang an Mona Lisa war aber eher zum Abgewöhnen.

Ein kleiner Geheimtipp ist für mich die Promenade plantée. Ähnlich wie in New York wurde hier eine ehemalige Hochbahnlinie begrünt und erlaubt einen erholsamen Spaziergang durch die Häuser von Paris. Unten dem Hochweg gibt es auch ein paar Handwerksläden, die man sich durchaus mal anschauen kann.

Alles in allen war es ein sehr schöner Urlaub. Das nächste mal kann ich Paris auch etwas entspannter angehen, die wichtigen Orte habe ich ja nun alle gesehen.

Erkenntnisse: Es wäre echt von Vorteil, wenn ich wenigstens rudimentäre Französisch-Kenntnisse hätte. Ich kann die ganzen Wörter einfach nicht aussprechen.

Ich habe keine Lust mehr auf Hostels.

Der Louvre ist riesig.

Wasserflaschen aus Plastik können unter Hitzeinfluss verschlossen und anschließend wiederverkauft werden.

Ich möchte in Paris kein Auto fahren.

København

Es gibt Dinge in meinem Leben, die werden sich nie ändern. Damit meine ich nicht nur meine notorische Unpünktlichkeit Zeitoptimierung, sondern auch meine Reisebegeisterung. Wenn man diese Begeisterung noch mit einem Erasmus-Treffen paart, bin ich kaum noch zu halten.

So war ich dieses Wochenende in Kopenhagen, um mich mit Lena aus meinem Auslandsjahr in Schweden zu treffen. Und irgendwie wurde schon die Anreise zu einem kleinen Promi-Treffen. An die Werbeplakate der Deutschen Bahn mit einem ehemaligen Erasmus-Kommilitonen habe ich mich ja schon gewöhnt, aber als dann plötzlich der Verteidigungsminister am Berliner Hauptbahnhof neben mir auf der Rolltreppe stand, war das schon sehr cool. Und ich kann es ja vorweg nehmen, in Kopenhagen sollte noch Justin Bieber an uns vorbei vorbeifahren.

Von der Arbeit an die Theke

Im Glücklicherweise kannte Lena einen local vor Ort, der uns in den folgenden 2 Tagen einige Ecken zeigte, in denen man als normaler Touri sicher nicht landen würde. So sind wir gleich den ersten Abend mit Morten in seinem 3er BMW um den Block gefahren. Die erste Station war die Botique Lize, eine Cocktail-Bar im Stadtteil Vesterbro. Hier bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf dänisches Bier – und dänische Bierpreise. Trotzdem war das Gefühl echt toll, nur 6 Stunden nach Feierabend in einem fremden Land ein frisch gezapftes zu trinken. Die nächste Station sollte die Zoo Bar sein, wo es leckere Cocktails zu studentischen Preisen gibt. Den Absch(l)uss fanden wir
in der Karriere Bar im Meatpacking District. Tagsüber werden hier die Schweine verladen und nachts die Party Crowd. Hier sollte man unbedingt mal auf die Toilette gehen. Alkoholisiert kann man durchaus seine Schwierigkeiten damit haben.

Sightseeing am Samstag

Nach einem Frühstück unweit des Rathaus Platzes haben wir uns zunächst das Rosenborg Slot angeschaut, von wo uns Morten anschließend abgeholt hat. In den folgenden Stunden sollten wir eigentlich alles sehen, was man als Tourist sehen muss.

  • Die kleine Meerjungfrau (Den lille Havfrue)
  • Kastellet
  • Schloss Christiansborg
  • Freistadt Christiania
  • Frederiksberg mit Park und Copenhagen Business School

Für mich war das Highlight allerdings der Besuch des Strandes (Amagar Strand). Ich hätte nie gedacht, dass es in Kopenhagen einen so schönen Strand gibt. Dieser ist sogar mit der U-Bahn zu erreichen, also da kann man durchaus mal hinfahren.

Den Abend haben wir im Tivoli begossen, wobei wir durch Mortens Hilfe in einer sehr noblen Bar im Hotel Nimb abgestiegen sind. Ziemlich fertig durch die ganzen Ausflüge haben wir den Abend mehr oder weniger erfolgreich im Meatpacking District ausklingen lassen.

Das Frühstück am nächsten morgen haben wir mal wieder in einem anderen Hotel gegessen. Nur dumm, dass unser Hotel eigentlich auch Frühstück anbot. Anschließend gingen wir noch etwas entlang der Storet zum Magazin du Nord. Dort haben wir uns mit der Aussicht auf eine weitere Re-Union in Berlin verabschiedet und ich trat meinen Heimflug an. In Berlin angekommen, bin ich direkt zu Caro gefahren, um am nächsten Morgen schließlich inklusive Reisekoffer wieder zur Arbeit zu fahren.

Erkenntnisse: Ich liebe Erasmus-Treffen.

Diese kleinen Rollkoffer, die man mit ins Flugzeug nehmen kann, sind echt praktisch.