Oh Gott, mein erster Pauschalurlaub

Ich bin nun endlich im Spießertum angekommen und habe tatsächlich eine Pauschalreise nach Griechenland gebucht. Ursprünglich war die Reise mit Nicole geplant, aber durch ein paar Änderungen in meiner Lebenssituation hat sich diese Zusammenstellung als ungünstig erwiesen. Dafür ist meine Freundin Karo mitgekommen und wir haben unseren ersten gemeinsamen Urlaub verbracht.

Früher Start

Schon um 3 Uhr morgens klingelte der Wecker in Karos Wohnung in Berlin-Hohenschönhausen. Nicht mal 3 Stunden später hoben wir in Berlin-Schönefeld ab und weitere 3 Stunden später waren wir auch schon auf Rhodos.

Unser Hotel hatte den klangvollen Namen Kresten Palace und befand sich ca. 15 km südlich von Rodos-Stadt direkt an der Ostküste der Insel. Eine kleine Erkundungstour ergab, dass das benachbarte Kresten Royal leider deutlich königlicher ausgestattet ist. Dort hat der Pool die Ausmaße eines kleinen Fußball-Feldes und die Appartements sehen aus wie aus einem Architektur-Magazin. Immerhin wirkt unser Hotel einladender als manch anderes in der Nachbarschaft.

Die ersten beiden Tage verbrachten wir wie spießige Pauschalurlauber vornehmlich im Hotel und der näheren Umgebung. Am dritten Tag haben wir es mit dem örtlichen Bus immerhin bis nach Rhodos-Stadt geschafft. Dort kann man sich die geschichtsträchtige Altstadt mit dem Großmeisterpalast und der mächtigen Festungsmauer anschauen. Das Wirrwarr an Straßen und Gassen ist schon beeindruckend, trotz GPS haben wir uns mehrfach verlaufen. Als Anhaltspunkt kann im Notfall der Uhrenturm dienen (Roloi), den man auch besteigen kann. Der Eintritt von 5 EUR ist im Zusammenhang mit dem kostenlosen Getränk an der Bar gerade noch akzeptabel. Leider waren wir zu spät beim Großmeisterpalast, so dass wir dieses Highlight nur von außen besichtigen konnten. Dafür waren wir aber noch am alten Hafen und konnten erahnen, wo mal der Koloss von Rhodos stand.

Rhodos

Für die folgenden 3 Tage mieteten wir uns einen Peugeot 106 für schlappe 80 EUR und erkundeten damit die Insel auf eigene Faust. Zunächst besuchten wir die Sieben Quellen (Epta Piges), die einzige Süßwasserquelle der Insel. Besonderes Highlight war hier der 186 Meter lange Versorgungstunnel, der vor über 80 Jahren von den Italienern gebaut wurde. Diesen kann man durchlaufen und dabei seinen klaustrophobischen Grenzbereich austesten.

Anschließend folgten wir der Straße Richtung Westen und erreichten schließlich das Bergdorf Salakos (Σάλακος) und den Fuß des Profitis Ilias (mit 789 Meter der dritthöchste Berg der Insel). Der Gipfelbereich ist militärisches Sperrgebiet, aber einen der Nebengipfel kann man über einen Wanderweg besteigen. Was wir auch kurzerhand getan haben. Die Aussicht von dort oben ist echt phänomenal, aber mindestens genauso spannend sind die verlassenen Häuser am Hang. Hier hatten die Italiener während der Besatzungszeit unter Mussolini ein Chalet nach Vorbild von Hitlers Obersalzberg bauen lassen.

Verlassene Häuser in Salakos

Völlig ausgebrannt von dem Aufstieg in Turnschuhen Chucks führen wir anschließend noch zur Ruinenstadt Kamiros, wo die Tore allerdings schon verschlossen waren. So entschlossen wir uns noch für eine abendliche Tour nach Rhodos-Stadt.

Der Besuch der Akropolis in Rhodos hätte fast den Unterboden unseres Peugeot aufgerissen, aber die Kiste war hart im Nehmen. Von der Akropolis selbst sieht man nicht mehr so viel, aber dafür ist das alte Stadion noch gut erhalten.

Gutes Essen, antike Städte

Auch die nächsten Tage erkundeten wir weiterhin die Insel mit unserem Mietwagen. So fuhren wir am Mittwochmorgen zu der antiken Stadt Lindos. Mit Glück und Verstand konnten wir sogar einen guten Parkplatz ergattern und hatten somit nur einen kurzen Fußweg zum Stadtzentrum. Gefühlt waren hier tausende Touristen unterwegs und so hat sich der Gang durch die Altstadt eher wie der Besuch eines überfüllten Einkaufszentrums angefühlt.

Der Aufstieg und der Aufenthalt auf der Akropolis war bei der Mittagshitze äußerst unangenehm (der Reiseführer hatte uns gewarnt), dafür gab es aber einen wahnsinnigen Ausblick auf das Meer und die Umgebung von Lindos. So haben wir auch eine Bucht gesichtet, die von oben wie ein abgetrennter See aussieht.

Ab ins kühle Nass

Der Blick in den Reiseführer offenbarte den Namen Ágios Pávlos Bay. Die kostenlosen Parkplätze haben uns ermutigt, dort unseren frühen Nachmittag zu verbringen. Nach einem zweistündigen Sonnenbad inklusive blutiger Füße beim Schwimmen über die spitzen Felsen, zogen wir weiter zum nächsten Strand.

Ágios Pávlos Bay

Für den späten Nachmittag stand nämlich der Besuch von Prasonísi Beach auf dem Programm. Dieser Strand an der absoluten Südspitze der Insel ist besonders bei Surfern beliebt, herrschen doch hier meist starke Winde. Auch wir haben uns am Strand etwas sandstrahlen lassen, bevor wir die abendliche Sonne für ein paar schöne Strandfotos nutzen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem Mietwagen nach Tsambíka Beach, dem laut Reiseführer „schönsten Strand der Ostküste“. Der Strand ist in Besitz eines Klosters und deshalb auch nicht mit Hotels bebaut. Hier ist der Sand deutlich feiner als sonst auf der Insel, trotzdem waren für mich andere kleine Strandbuchten wie Prasonísi Beach deutlich schöner.

Die letzten beiden Tage verbrachten wir schließlich wie typische Pauschalreisende am Strand bzw. am hauseigenen Swimming-Pool. Da unser Rückflug erst spät abends angesetzt war, konnten wir den Sonntag auch noch voll genießen.

Die Nacht werde ich heute bei Karo in Berlin verbringen, ehe es morgen mit dem ersten Zug zur Arbeit geht.

Erkenntnisse: Es gibt viele unfertige Gebäude am Straßenrand.

Geschwindigkeitsbegrenzungen werden oft nicht aufgehoben.

Die Parkplätze am Strand sind meist kostenlos. In Deutschland hätte man die Leute mit horrenden Parkgebühren abgezockt.