Buongiorno Roma!

Da der Februar in Deutschland mitunter sehr trist sein kann, haben sich Karo und meine Wenigkeit entschieden, für ein paar Tage dem rauen Wetter zu entkommen und in den warmen Süden zu fliegen. Da wir beide noch nie in Italien waren, haben wir uns für eine Städtereise nach Rom entschieden.

Schon vor der Abreise gab es etwas Stress, denn wir sind mit den Wochentagen durcheinander gekommen. So hatten wir den Flug versehentlich für einen Tag früher gebucht, als eigentlich geplant. Leider haben wir das erst zwei Tage vor Abflug mitbekommen und mussten somit kurzfristig noch unsere Reiseplanung ändern. Glücklicherweise war Karos Arbeitgeber und unser Hotel gnädig, so dass wir tatsächlich einen Tag früher anreisen konnten.

Da wir erst sehr spät in Rom landeten, haben wir uns ein Quartier in der Nähe des Hauptbahnhofs ausgesucht. Trotz der Warnung einiger Bekannter war das Gebiet aber weniger gefährlich, als uns prophezeit wurde. So könnten wir nachts ganz bequem zum Hotel laufen und in die Betten fallen.

Alles Berlin oder was

Am nächsten Morgen starteten wir unsere Entdeckungstour mit einem Besuch des nahegelegenen Kolosseums. Und weil wir so früh dort waren, konnten wir auch ohne Warteschlange sofort in das Kolosseum eintreten. Die ganze Architektur mit den Arkaden und den Traversen haben mich irgendwie an das Olympiastadion in Berlin erinnert. Nur das dieses Gebäude hier gute 1900 Jahre älter ist! Man kann viele Bereiche betreten und im Inneren gibt es auch noch eine kleine Ausstellung zu der Nutzung der Arena. Man kann sich richtig vorstellen, wie damals die Gladiatoren aus den Katakomben gekommen sind, um um ihr Leben zu kämpfen.

Blick vom Palatin auf das Kolosseum

Als sich das Kolosseum immer mehr mit Touristen füllte, sind wir raus gegangen und haben den nahegelegenen Palatin bestiegen. Hier hatten wohlhabende Römer ihre Häuser, von denen heute aber größtenteils nur noch die Grundmauern stehen. Direkt am Palatin liegt auch der Circus Maximus, von dem aber auch nicht mehr so viel sichtbar ist. Umso beeindruckender ist die Bebauung auf dem Forum Romanum. Auf dem einstigen politischen Zentrum des Römischen Reiches sieht man heute noch die Via Sacra (heilige Straße), den Titusbogen und den Curia Iulia (Versammlungsort des Senats). Letzteres kann man sogar betreten und bekommt ein Gefühl dafür, wie damals Politik gemacht wurde.

In der unmittelbaren Nähe befindet sich ein unübersehbarer weißer Klotz, auf dem eine riesige Quadriga zwei riesige Quadrigen thronen. Hierbei handelt es sich um das Monumento a Vittorio Emanuele II, was das italienische Nationaldenkmal ist. Irgendwie hatte ich auch hier wieder eine Assoziation mit Berlin, denn die Quadriga sieht aus, wie auf dem Brandenburger Tor. Für die Besteigung der absoluten Spitze fehlte uns irgendwie der Patriotismus, so dass wir das Gebäude nur zur halben Höhe bestiegen.

 Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II

Obwohl unsere Füße qualmten, sind wir abends noch zum Piazza di Spagna und dem nahegelegenen Fontana di Trevi (Trevi-Brunnen) gefahren. Diese Idee hatten scheinbar einige Touristen, denn es war unglaublich voll. Diesen Umstand machten sich auch die vielen Rosen- und Spielzeugverkäufer zu nutze. Die wollen zwar nur etwas verkaufen, aber das ständige an Gequatsche hat uns recht ordentlich genervt.

Trevi-Brunnen

Für heute hatten wir erst mal genug gesehen, so ging es am nächsten Tag weiter.

Am Valentinstag zum Vatikan

Wir wollten den Vatikan noch unbedingt vor dem Wochenende besuchen, um den Touristenschwärmen etwas aus dem Weg zu gehen. Und scheinbar hat es sich auch gelohnt, denn um 9.30 Uhr haben wir – ohne eine Minute zu warten – das Vatikanmuseum betreten. Genau genommen sind es sogar mehrere Museen mit jeweils anderen Themenbereichen. Unser Interesse an römischen Statuen war eher verhalten, weswegen wir die ersten Bereiche eher lieblos durchlaufen haben. Dafür haben wir uns umso mehr Zeit bei den Stanzen des Raffael, der Galleria delle carte der Biblioteca Apostolica Vaticana und natürlich der Cappella Sistina (Sixtinische Kapelle) verbracht. Gerade die Galerie der Landkarten hat es mir sehr angetan. Ein 120 Meter langer Raum mit riesigen Karten von allen italienischen Provinzen und einer atemberaubenden Decke. So viel Weltlichkeit hatte ich dem Vatikan gar nicht zugetraut. Da man im Laufe des Rundgangs auch mehrere Innenhöfe betreten kann, konnten wir zwischendurch auch mal frische Luft schnappen und die Sonne genießen.

Treppe in Vatikanischen Museen

Gleich nach dem langen Museumsbesuch packte uns der Hunger und so versuchten wir mit aller Macht ein original italienisches Restaurant zu finden. Das haben wir auch geschafft, denn die Kellner konnten kein Wort Englisch. So ist es auch zu dem Umstand gekommen, dass ich ein harmlos klingendes Essen namens Tripe bestellt habe. Ohne es auch nur zu erahnen, habe ich mir damit eine riesige Portion Rinderdarm mit Tomatensauce bestellt. Ich wusste nicht, ob ich zuerst kotzen oder weinen soll, denn das Zeug war echt so ekelhaft.

Es muss wohl Gottes Hilfe im Spiel gewesen sein, aber meine Freundin kannte und mochte doch tatsächlich dieses Essen! So haben wir kurz vor meinem Erbrechen die Teller getauscht und ich konnte den Schrecken mit einem anderen Gericht verarbeiten. Danke an dieser Stelle noch mal Karo, dass du mein Leben gerettet hast!!

Mit vollem Magen haben wir anschließend das nahegelegene Castel Sant’Angelo (Engelsburg) besichtigt. Dieses wurde ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (76–138) und seine Nachfolger errichtet, aber später von verschiedenen Päpsten zur Burg umgebaut. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf den Vatikan, den Tiber und die Engelsbrücke. Über die letztere haben wir auch unseren Heimweg angetreten, denn wir waren kaputt.

Sicht von der Engelsburg auf den Petersdom

Nochmal Vatikan und sommerliche Temperaturen

Der Wetterbericht hatte ausnahmsweise mal Recht und die Temperaturen kratzten schon an der 20 Grad Marke. Getrieben von unseren guten Erfahrungen mit dem frühen Aufstehen sind wir bereits kurz nach 9 Uhr auf dem Petersplatz gewesen. Inzwischen kannten wir auch schon die Tricks der dreisten Ticketverkäufer und grinsten einfach nur, als die uns Tickets ohne Warteschlange verkaufen wollen. Um diese Uhrzeit gibt es schlicht noch keine nennenswerte Warteschlange! Ganz dreiste Verkäufer tun auch so, also ob du nur mit ihrem Ticket weiter gehen darfst.

Sei es drum, nach einer kurzen Sicherheitskontrolle waren wir schon früh morgens im Petersdom. Die Ausmaße dieser Kirche sind schon Wahnsinn, dagegen wirkt St. Pauls wie die kleine Schwester. Die Kuppel hat einen Durchmesser von
42 Meter und die Spitze ist 132 Meter hoch. Für 5 EUR Eintritt kann man diese auch über eine schier endlose Treppe besteigen. Das haben wir auch gemacht und den tollen Ausblick auf den Petersplatz und die Stadt gibt es dann gratis. Als wir wieder unten waren, war der Petersdom so unglaublich voll, dass wir schnellstens abgehauen sind.

Petersdom

So zogen wir noch etwas in die Innenstadt und besichtigen ein weiteres Gebäude mit einer riesigen Kuppel: Das Pantheon. Der Einfluss dieses Gebäudes auf die Architekturgeschichte ist enorm. So findet man im Alten Museum in Berlin eine Kuppel mit einer ähnlichen Kassettendecke und Öffnung. Der nahegelegene Piazza Navona war ebenfalls schön, auch wenn dort alles auf Touristen eingestellt ist. So richtig idyllische Restaurants findet man dort eher nicht.

Raus aus die Stadt

Den letzten vollständigen Tag verbrachten wir ein Stück außerhalb Roms. So fuhren wir mit dem Bus durch das Porta San Sebastiano (Stadttor der Aurelianischen Mauer) zur Via Appia Antica. Diese Straße wurde schon 312 v. Chr. gebaut und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten Straßen des römischen Reiches. Im Abschnitt bei Rom ist noch die antike Pflasterung vorhanden und man findet dort ein paar interessante Dinge. So findet man zwischen den zweiten und dritten Meilenstand die Villa Di Messenzio (Maxentiusvilla). Auf diesem Gelände befinden sich ein Palast, ein Circus und ein Mausoleum. Leider ist heute vieles verfallen, aber der Circus und die umgebenen Mauern waren schon beeindruckend.

Villa di Massenzio

Einige hundert Meter weiter findet man mehrere Katakomben, die man auch besichtigen kann. Da im Römischen Reich die Toten nicht innerhalb der Stadtmauern bestattet werden durften, hatte man entlang der Ausfallstraßen Katakomben mit unterirdischen Grabkammern angelegt. Leider waren die Katakomben von Sankt Sebastian geschlossen, so dass wir das Ganze nicht von innen gesehen haben. Dafür konnten wir einen Blick in die Basilika San Sebastiano fuori le mura werfen, immerhin eine der sieben römischen Pilgerkirchen.

Bei der Rückkehr in die Stadt machten wir noch einen Zwischenstopp am Porta San Sebastiano. In dem Stadttor ist auch das Museo delle Mura vorhanden, welches aber ebenfalls geschlossen war. Gleich neben dem Tor findet man noch den Drususbogen, welcher zum Aquädukt Aqua Marcia gehörte. Dieses Aquädukt transportierte das Wasser über 91 km aus dem Anienetal nach Rom. Auch heute wird es noch benutzt, auch wenn das Wasser nicht mehr oberirdisch fließt.

Auf dem Weg zum Hotel haben wir noch einen Blick in die Santa Maria Maggiore geworfen. Dies ist ebenfalls eine der sieben Pilgerkirchen, aber zusätzlich noch eine der vier Papstbasiliken. Schon von weiten kann man den 75 Meter hohen Glockenturm sehen, der aber nicht direkt in die Kirche integriert ist. Im Inneren ist das Hauptschiff mit seinen 36 Säulen sowie den Kassettendecken durchaus ansehnlich.

Mit dem Abschluss des Tages hatten wir immerhin drei der sieben Pilgerkirchen besichtigt und waren mehrfach auf dem Territorium des Heiligen Stuhls. Keine schlechte Bilanz 😉

Auschecken und Abflug

Den letzten Tag gingen wir sehr ruhig an. So schlenderten wir eher ziellos durch das antike Rotlichtviertel Subura (auch Suburra), genossen die letzten Sonnenstrahlen auf dem Piazza Vittorio Emanuele II und gönnten uns einen Fleischteller in einem italienischen Restaurant. Die Suche nach interessanten Souvenirs (insbesondere guten Kaffee), konnten wir leider nicht erfolgreich abschließen. Der Flieger brachte uns sicher nach Hause, wo wir erschöpft in die Betten gefallen sind.

Straßen in Subura

Erkenntnisse: Frühes Aufstehen lohnt sich, um die Warteschlangen zu vermeiden.

Der Roma Pass ist mit 34 EUR sehr teuer und lohnt sich nur, wenn man wirklich viel unterwegs ist.

Die U-Bahn ist zur Hauptverkehrszeit extrem überfüllt. Wir mussten mehrere U-Bahnen abwarten, bis wir uns ein paar Zentimeter Platz erkämpfen konnten. Jeder der sich in Berlin über Verkehrschaos beschwert, sollte hier mal ins Praktikum gehen.

Auf öffentlichen Toiletten gibt es sehr selten Klobrillen. Dafür gibt es an Waschbecken oft ein lässiges Gaspedal, um das Wasser zu dosieren.