Patagonien entdecken – El Chaltén

Mit Aerolineas sind wir am frühen Nachmittag in El Calafate eingeflogen. Per Bus sind wir anschließend direkt vom Flughafen ins 220 km entfernte El Chaltén gefahren. Das Gebiet hier ist extrem dünn besiedelt und außer den Natur-Touristen verirrt sich eigentlich Niemand hier hin.

Die Fahrt entlang der Ruta 40 war trotz der kargen Landschaft sehr reizvoll. Wie überall in Patagonien gibt es hier nur kleinere Trockengewächse und keine natürlichen Bäume. Dafür ist die Tierwelt um so reicher und wir konnten fremde Tiere wie Nandus (Rhea americana) oder Guanakos in freier Wildbahn sehen.

Die Ortschaft El Chaltén wurde vor knapp 30 Jahren gegründet, um im Grenzstreit mit Chile vollendete Tatsachen zu schaffen. Nebenbei liegt der Ort am Nordende des Nationalparks Los Glaciares und ist damit ein perfekter Ausgangspunkt für die Erkundung des Nationalparks. Irgendwie spürt man immer noch die Entwicklung der Stadt. Es wirkt wie ein Aussteiger-Paradies, wo jeder an seinem eigenen Lebenstraum arbeitet. Und die Stadt wächst jedes Jahr etwas weiter. Seit kurzem gibt es sogar Handy-Empfang. 🙂

El Chaltén

Unser Hotel Cumbres Nevadas war ein massiv gebautes Haus in der Stadtmitte. Sonst findet man hier viele Holzhäuser, Blechhütten oder am Stadtrand sogar Wohnwagen. Insgesamt ist es ein schöner Ort, wo man auf viele interessante Leute trifft.

Das Restaurant La Tapera wird zum Beispiel von einem Globetrotter betrieben, der sich auf einer seiner Reisen ein Nummernschild vom Landkreis Oder-Spree gesichert hat. Anscheinend hat er auch gute Köche anwerben können, denn das Essen war sehr lecker.

Wir entschieden uns am ersten und einzigen vollständigen Tag in El Chaltén für eine Wanderung zur Laguna de los Tres, welche laut Reiseführer 12.5 Kilometer entfernt ist. Von dort hat man einen traumhaften Ausblick auf den Cerro Fitzroy, der in nahezu allen Reiseführern von Patagonien abgelichtet ist. Der Schwierigkeitsgrad des Wanderwegs wurde aufgrund des starken Anstiegs mit vier Ausrufezeichen angegeben, was auf unserer Touristenkarte die höchste Einstufung war. Vorsorglich des langen Marsches haben wir auch ein Lunch-Paket inkl. Getränke bei einem lokalen Lieferanten bestellt.

Bei unserer ersten Pause nach ca. 1 km mussten wir allerdings feststellen, dass in dem Lunch-Paket keine Getränke vorhanden waren. Da wir schon ordentlich Höhenmeter geschafft haben, wollten wir aber nicht mehr umdrehen und sind direkt weiter gelaufen. So schafften wir es ohne Wasser immerhin noch 5 weitere Kilometer bis zur Laguna Capri. Dort konnten wir ein paar Quellen anzapfen und unsere ausgetrockneten Kehlen wieder mit ordentlich Wasser versorgen. Durch die Euphorie über unsere eigene Stärke haben wir anschließend den Berg zur Laguna de los Tres bestiegen.

Aufstieg zur Laguna de los Tres

Da wir auf dem Rückweg nicht wieder die gleiche Strecke laufen wollten, entschieden wir uns für einen anderen Weg entlang der Laguna Madre und Laguna Hija. Nach wenigen Kilometern wurde dieser Weg immer schmaler und wir fanden uns zwischen Mückenschwärmen und umgestürzten Bäumen wieder. Der Weg war kaum mehr zu erkennen und wir hatten auch seit einer langen Zeit keine Leute mehr getroffen. Uns erschlich immer mehr das Gefühl, dass wir einen falschen Weg gewählt haben. Keiner wollte es laut aussprechen, aber innerlich hatten wir schon darüber nachgedacht, wie man eine Nacht in dieser rauen Landschaft überstehen kann. Nach ca. 10 Kilometern ohne Hinweisschild geschweige denn Menschen trafen wir auf ein junges Paar aus Argentinien. Diese Versicherten uns, dass wir „nur noch den Berg runter“ müssen und dann an einer wichtigen Kreuzung zurück nach El Chaltén sind. Wir waren glücklich und gingen voller Energie den Abstieg an. Die kurze Strecke den Berg runter erwies sich allerdings als 90 minütige Strapaze durch stark abfallendes Gelände, bis wir schließlich das Hinweisschild von der Größe eines Briefumschlags gefunden hatten. Überglücklich sind wir vor dem Schild zusammen gebrochen und fühlten uns wieder zurück in der Zivilisation. Dem war aber leider noch nicht so.

Hinweis auf dem Wanderweg

Wir mussten noch weitere 9 Kilometer über Berge und durch Täler wandern, bis wir endlich hinter einem Berg El Chaltén erblicken konnten. Unsere Füße taten weh, wir waren ausgetrocknet und wir hatten schon fast aufgegeben. Aber nun waren wir nach über 10 Stunden endlich wieder zurück in der Zivilisation. Es war ein Wahnsinnserlebnis, dass wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Busunternehmen Las Lengas zurück nach El Calafate. Dort werden wie die nächsten 3 Tage verbringen und das Südende des Nationalparks Los Glaciares erkunden.

Erkenntnisse: Jeans und Turnschuhe sind nur bedingt zum Wandern geeignet.

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