In Jasper angekommen

21 Jul
2015

Auf den ersten Blick ist Jasper durchaus vergleichbar mit Banff – eine Stadt am Fuße der Rocky Mountains die vom Naturtourismus lebt. Allerdings ist man hier noch mehr in der Wildnis und trifft dementsprechend oft auf die heimische Tierwelt. Trotz der Empfehlung des Reiseführers verzichteten wir auf ein Bärenspray (das soll die Bären im Falle eines Angriffs abwehren) und wanderten am ersten Tag direkt in die Wälder des Jasper Nationalparks. Schon nach ein paar Minuten hört man nichts mehr von Stadt und findet sich zwischen knarzenden Bäumen und rauschenden Flüssen wieder.

Athabasca River

Für den ersten Tag haben wir uns gleich den längsten Wanderweg unsere Reise ausgesucht. Dieser führte uns über den Old Fort Point Loop zum Lake Beauvert und schließlich weiter zum Maligne Canyon. Am Lake Beauvert haben wir in der prestigeträchtigen Fairmont Jasper Lodge einen Zwischenstopp eingelegt und den leckersten Sandwich unserer Reise gegessen. Anschließend haben wir uns ein Kanu ausgeliehen und sind über den kristallklaren See gepaddelt. Das war wirklich Kanada-Feeling vom feinsten!

Paddeln auf dem Beauvert Lake

Der anschließende Weg zum Maligne Canyon hat sich ganz schön in die Länge gezogen und man ist auch nur sehr selten auf andere Menschen gestoßen. So richtig wohl war uns bei der Sache nicht, auch weil man in aller Regelmäßigkeit daran erinnert wird, dass man sich in einem aktiven Bärengebiet befindet. Als wir schließlich am Maligne Canyon angekommen sind, waren die Füße platt und unsere Motivation am Boden. So entschieden wir uns, den Weg zurück nach Jasper zu trampen. Das war leichter gesagt als getan, denn irgendwie wollte uns keiner so recht mitnehmen. Letztendlich hat uns eine freundliche Kanadierin mitgenommen und uns damit 10 Kilometer Rückweg erspart.

Bedingt durch den langen Ausflug hatten wir am folgenden Tag keine Lust auf Wandern und sind stattdessen mit dem Fahrrad zum nahegelegenen Pyramid Lake gefahren. Die Ausleihgebühr war mit 40$ zwar recht happig, aber dafür hatten wir mehr von der Natur mitbekommen als die ganzen Auto-Touristen. Vom Pyramid Lake sind wir zurück nach Jasper gefahren und dann immer entlang des Athabasca River Richtung Norden gefahren. Als wir am weitesten entfernt von Jasper waren, zogen auf einmal dunkle Regenwolken auf und binnen Minuten wurde die sonnige Urlaubsidylle wurde zum feuchten Albtraum. Mit viel Kampfgeist und waghalsigen Fahrmanövern über den Yellowhead Highway hatten wir es vor dem absoluten Weltuntergang zurück in die Stadt geschafft. Immerhin haben wir dafür später Anerkennung von einigen Autofahren bekommen, die uns am Straßenrand mit den Naturgewalten haben kämpfen sehen. Die anschließende Pizza im L&W Family Restaurant war eher durchschnittlich, aber immerhin war es im Restaurant trocken.

Mit dem Fahrrad am Pyramid Lake

Am letzten Tag in Jasper hatten wir keine Lust auf körperliche Betätigung (ohnehin war das Wetter nicht so besonders). Also haben wir uns kurzerhand ein Auto ausgeliehen, um die etwas entfernteren Sehenswürdigkeiten zu besuchten. Da der örtliche Verleih keinen Kleinwagen mehr im Angebot hatte, mussten wir auf ein sogenanntes Full Size Car umsteigen. Die Freude war groß, als auf dem Parkplatz ein weißer Dodge Charger SXT auf unsere Fernbedienung reagierte. Leider konnte man die Beschleunigung in diesem Schiff nicht so richtig ausleben, da die maximal erlaubten 90 km/h viel zu schnell erreicht wurden. Aber schon alleine der Sound beim Fahren war irre.

Umso überraschender war es, dass wir bei der Fahrt zur Mount Edith Cavell plötzlich einen Bären am Straßenrand entdeckt haben. Der hat nach irgendwas gewühlt und sich überhaupt nicht beeindrucken lassen. Für einen Ausstieg aus dem Auto hat uns zwar der Mut gefehlt, aber auch so war es ein sehr beeindruckendes Erlebnis!

Bär im Jasper Nationalpark

Die heißen Quellen in Miette entpuppten sich als künstlich angelegte Schwimmbecken am Berghang. Das Wasser kommt wohl aus den heißen Quellen, aber ein bisschen mehr Stil hätten wir schon erwartet. Immerhin war der Eintritt mit $6 vergleichsweise günstig.

Den letzten Abend haben wir ganz stilvoll im Downstream Restaurant am Connaught Drive verbracht. Hier haben wir als Abschluss unserer Nationalpark-Touren gegrillten Bison und Elch gegessen. Morgen geht es wieder zurück in die Zivilisation nach Vancouver und dann sind wir auch schon auf der letzten Station unserer Reise.

Erkenntnisse: Es ist billiger ein Auto für einen Tag auszuleihen als zwei Fahrräder.

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