Familienausflug nach Toruń

22 Mai
2017

Wir haben ein Familienfest in Poznań zum Anlass genommen, um mal etwas weiter ins Land zu fahren und die Städte Gniezno und Toruń im nördlichen Zentrum Polens zu besichtigen. Beide Städte sind eng mit der Geschichte des Landes verbunden und so hatten wir schon auf der Autofahrt lebhafte Diskussionen um den Einfluss deutscher Siedler Missionare auf die Entwicklung dieser Region.

In Gnesen gewesen

Unsere erste Station war die Stadt Gniezno (deutsch Gnesen), die sich rund 50 km nordöstlich von Poznań in der Woiwodschaft Großpolen befindet. Dank der gerade fertiggestellten S5 (Droga Expresowa 5) kommt man mit Auto sehr gut dort hin und wir konnten die knappe Zeit für eine ausgiebige Stadtbesichtigung nutzen. Die Stadt mit den 70.000 Einwohnern ist im Ausland eher unbekannt, aber hat für die Polen eine zentrale Bedeutung. Hier wurden bis 1320 die polnischen Könige gekrönt und hier liegen auch die Ursprünge des polnischen Staates. Eine tragende Rolle spielt dabei die Erzkathedrale von Gniezno, die eine der Hauptkirchen in Polen ist und den Status einer Basilica minor trägt. Neben der Kirche gibt es in Gniezno noch eine gut erhaltene Altstadt mit einem großen Markt, die wir ebenfalls erlaufen haben. Das Museum der Ursprünge des polnischen Staates haben wir uns aufgrund der knappen Zeit leider nicht mehr angesehen, da wir in der zweiten Tageshälfte noch weiter nach Toruń gefahren sind.

Weiter nach Toruń

Die Weiterfahrt nach Toruń (deutsch Thorn) war leider nicht so entspannt, da die Schnellstraßen in diesem Abschnitt leider noch nicht gut ausgebaut sind. So mussten wir die 100 Kilometer gemeinsam mit Reisebussen, Schweinetransporten und polnischen Temposündern auf überlasteten Landstraßen zurücklegen und benötigten dafür über zwei Stunden Fahrtzeit. In Toruń angekommen, mussten wir leider noch auf unseren Vermieter warten, der es mit der zeitlichen Absprache nicht so genau nahm. Auch die Unterkunft war im Internet deutlich attraktiver anzusehen als in Wirklichkeit. Immerhin passte die Lage in der Altstadt, direkt neben dem Wohnhaus des bekanntesten Bürgers dieser Stadt.

Trotz des schlechten Anfangs in Toruń sollte sich der Besuch aber dennoch als überaus positive Überraschung herausstellen. Vom ersten Eindruck her ist die Stadt ähnlich schön wie Lwiw oder Krakau, auch wenn die Toruń mit 200.000 Einwohnern deutlich kleiner ist. Trotz der eher überschaubaren Größe gibt es hier eine sehr schöne und weitläufige historische Altstadt, die nicht ohne Grund seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Schon allein ein Spatziergang durch die belebten Straßen mit den Restaurants, Cafés und Geschäften ist die Reise wert.

Altstadt in Thorn

Dazu gibt es auch geschichtlich einiges hier zu entdecken. Der Deutsche Orden hat die Stadt 1233 gegründet und 1260 mit einer Burg befestigt. Im 14. Jahrhundert trat Thorn dem Hansebund bei und gehörte somit wie Elbing, Danzig, Königsberg und Kulm zu den Hansestädten. Als Berliner hat man auf dem Markt auch ein kleines Dé­jà-vu, denn das Rathaus in Toruń sieht ähnlich aus wie das (deutlich später) gebaute Rote Rathaus. Nicht zuletzt ist Toruń auch der Geburtsort von Nikolaus Kopernikus (oder polnisch Mikołaj Kopernik), der mit seinem heliozentrischen Weltbild eine neue Anschauung der Welt verbreitete. Nach ihm ist auch die Universität benannt und überhaupt sieht man sein Abbild überall in der Stadt. Direkt auf dem Markt ist wohl das bekannteste Abbild von ihm und einem Modell des heliozentrischen Weltbilds.

Rathaus mit Kopernikus in Thorn

Letztendlich waren die zwei Tage für uns überaus spannend und geschichtsfördernd. Für mich ist Toruń definitiv ein Geheimtipp für eine Städtereise nach Polen. Besonders wenn die polnische Schnellstraße 3 in 2019 fertiggestellt wird, kann man auch von Deutschland aus in wenigen Stunden hier her kommen. Das werden wir dann bestimmt noch mal machen!

PS: Bei unserem nächsten Besuch müssen wir noch die Produktionsstätte der Thorner Kathrinchen besuchen. Dieser Pfefferkuchen wird hier seit Jahrhunderten hergestellt und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit.

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