Winterurlaub im Isergebirge

Der letzte Winterurlaub ist zwar erst gut einen Monat her, aber trotzdem wollten wir noch mal im kleinen Kreis ein paar Tage Bergluft schnuppern. Diesmal ging es nach Świeradów- Zdrój (deutsch Bad Flinsberg) ins Isergebirge.

Anreise als Grenzgänger

Dank den offenen Grenzen in der EU muss man bei der Routenplanung keine Rücksicht mehr nehmen, ob man eine Landesgrenze überschreitet. So entschieden wir uns für eine Route über die Lausitz, Polen, Tschechien und schließlich wieder nach Polen. Schade, dass genau diese Freiheit von Nationalisten der jeweiligen Länder gerade in Frage gestellt wird.

Damit wir die Strecke nicht in einem Stück fahren müssen, haben wir einen Zwischenstopp in Bad Muskau eingelegt. Dort haben wir den weitläufigen Fürst-Pückler-Park und das Schloss besichtigt, welches in den Jahren von 1995 bis 2004 aufwändig saniert wurde. Genau im Park verläuft auch die Staatsgrenze zu Polen, so dass man echt viel Vorstellungskraft braucht, um sich den Zustand vor 20 Jahren vorzustellen. Es scheint, hier ist Europa wirklich zusammengewachsen.

Interessent war auch der Grenzübergang zwischen Polen und Tschechien. Die polnische Stadt Zawidów (Seidenberg) knüpft nahtlos an die tschechische Ortschaft Habartice (Ebersdorf) an. Rein baulich nimmt man die Grenze nicht wahr und auch zwischen den Ortschaften keinen Unterschied ausmachen.

Die letzten Meter zu unserem Hotel & Medi-SPA Biały Kamień war schon etwas aufregend. Bad Flinsberg ist an sich schon sehr bergig und wenn dann noch schmale Straßen mit Glatteis ins Spiel kommen, hat man echt viel Freude mit einem vollgeladenen Kleinwagen. Der erste Eindruck von Hotel, Schwimmbad und näherer Umgebung war aber sehr vielversprechend – hier kann man also gut Urlaub machen.

Ankommen in Świeradów-Zdrój

Der Montag brachte herrlichen Sonnenschein, so dass wir erstmal den Ort zu Fuß bzw. per Schlitten erkundeten. Die Hauptattraktion ist zweifellos das Kurhaus mit der hölzernen Wandelhalle. Bereits vor Jahrhunderten wurden hier mineralische Quellen entdeckt, so dass die Stadt ab 1763 ein anerkannter Kur- und Badeort wurde.

Auch wir haben uns einen Schluck Mineralwasser gegönnt, welches aber eher zu mineralisch für unseren mit Leitungswasser verwöhnten Geschmack war. Unsere Kleine war auch nicht dafür zu begeistern, obwohl wir ihr das besonders gesunde Getränk gern öfter gegeben hätten. Die kleine Tasse haben wir als Andenken in jedem Fall behalten.

Direkt vor dem Kurhaus beginnt die Ul. Zdrojowa, welches sowas wie die zentrale Fußgängerzone in Bad Flinsberg darstellt. Dort findet man Restaurants, Bekleidungs- und Souvenirgeschäfte von unterschiedlicher Qualität. Wir haben uns eine Pizza im Restaurant Margerita gegönnt, welche trotz unfreundlicher desinteressierter Bedienung sehr gut geschmeckt hat.

Am Nachmittag sind wir etwas raus gefahren und haben den Queis-Wasserfall (
Wodospad Kwisa) angeschaut. Dieser liegt etwas versteckt am Rande der Ortschaft und ist nicht ausgeschildert. Ich habe den Ort gleich mal bei Openstreetmap eingetragen, so dass sich im Sommer hier wohl Heerscharen von Touristen verirren werden.

Entspannen im Hotel

Am Dienstag haben uns die Schwiegereltern besucht, so dass wir etwas entspannter in den Tag gehen konnten. Unsere Kleine wurde bei herrlichen Wetter mit Eis, Waffeln und Schlagsahn im Cafe Maestro verwöhnt. Wir selbst gönnten uns auch ein paar Stunden im Spa und genossen den Urlaub in vollen Zügen. Im Hotel haben wir auch noch eine polnische Schauspielerin entdeckt, die mir ihrem Instagram Account auch Werbung für das Hotel machte.

Da das Wetter am Mittwoch immer noch in Ordnung war, haben wir mit dem Auto einen Ausflug ins tschechische Liberec (Reichenberg) unternommen. Diese Stadt ist mit über 100.000 Einwohnern immerhin die fünftgrößte in Tschechien und war nur 45 km entfernt. Die Fahrt führte auf tschechischer Seite durch malerische Landschaften, die teilweise an Bayern erinnern.

In Liberec angekommen, hatten wir die vermeintlich einfache Aufgabe, unseren Parkplatz in der Innenstadt zu bezahlen. Erstes Problem, wir hatten keine Tschechischen Kronen. Zweites Problem, der Geldautomat hatte meine VISA-Karte gesperrt. Da wir das Risiko nicht eingehen wollten, eine weitere VISA-Karte zu sperren, mussten wir einen Laden finden, der unsere letzten Euros annimmt und uns dann Kronen zurückgebiet. Glücklicherweise hat ein Kiosk-Besitzer sich bereiterklärt, das Rückgeld des Einkaufs in Kronen auszuzahlen.

Nachdem der Parkplatz gesichert war, haben wir uns die Innenstadt näher angeschaut. Die Wallensteinhäuser sind sehr schön anzusehen, aber dummerweise direkt an einem hässlichen Plattenbau angebaut. Der Markt mit dem Rathaus ist aber schon ein Hingucker. Das Rathaus wurde nach Plänen von Franz von Neumann Ende des 19.Jahrhundertsgebaut und erinnert sehr an das Wiener Rathaus. In der näheren Umgebung sind noch ein Einkaufszentrum und eine größere Fußgängerzone, welches wir erlaufen haben.

Ab Donnerstag wurde das Wetter Zunehmens schlechter, so dass wir unsere Aktivitäten wieder mehr in den Badebereich unseres Hotels verlegt haben. Für die Lütte war das auch am vierten Tag unseres Urlaubs immer noch die Lieblingsbeschäftigung.

Da das Wetter am Freitag wieder besser würde, sind wir den Heufuder (Stóg Iserski) mit der Gondel hochgefahren. Auf 1100 Metern Höhe war es schon ziemlich stürmisch und leider hat sich die Sonne auch nur selten blicken lassen. Das Skigebiet ist aber schon mal für die Zukunft vorgemerkt. Die Infrastruktur mit Seilbahn, Skiverleih, Skibus und Bauden ist sehr gut ausgebaut.

Heimreise über Görlitz

Für die Rücktour haben wir uns wieder einen interessanten Zwischenstopp ausgesucht und haben halt in Görlitz bzw. Zgorzelec gemacht. Es hat sich seit meinem letzten Besuch vor einigen Jahren nicht viel verändert und ist immer noch sehr schön anzuschauen. Die Straßen waren aber ganz schön leer, hier kommt der große Touristenstrom wohl noch.

Das ehemalige Kaufhaus wurde erfreulicherweise von einem Investor aus der Oberlausitz gekauft und soll nun endlich wieder zum Leben erweckt werden. Das wird auch Zeit, denn das Gebäude ist wirklich ein Hingucker. Hier würde auch der Film The Grand Budapest Hotel oder Inglourious Basterds gedreht.

Wir haben am Untermarkt im Cafe Bistro Gloria (Patrizierhaus St. Jonathan) im historischen Ambiente Mittag gegessen, ehe wir endgültig die Heimreise antraten. Ein schöner Urlaub ging zu Ende.