Ich bin angekommen

Nach dem Umzug, der überstandenen Probezeit und dem privaten Glück bin ich nun endlich vollständig in Berlin angekommen. Die Wohngegend ist mir nicht mehr fremd, die Wege zur Arbeit sind zur Routine geworden und erste Kontakte sind auch schon geknüpft. Ich entdecke jeden Tag neue Seiten an der Stadt und fühle mich jeden Tag wohler. Wer hätte das gedacht!

Frankfurter Tor in Berlin
Auf dem Weg zur Arbeit

Unsere Wohngegend hat sich als optimal erwiesen, da wir kurze Wege zu allen wichtigen Orten haben und damit der Umstieg von der kompakten Kleinstadt gar nicht so schwer gefallen ist. Interessant ist auch, wie viele ehemalige Weggefährten man hier trifft. Da sitzt man plötzlich mit alten Bekannten vom Studium am Besprechungstisch und bespricht die Energiewende in Deutschland. Oder man trifft die gleichen Berater wie in der Firma zuvor und schmunzelt über vergangene Projekte.

Ich bin gespannt, was noch so kommt!

 

Wahlen in Berlin

In wenigen Monaten ist die Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus und jetzt kommen die Politiker langsam wieder ans Tageslicht gekrochen. Auch wenn ich politisch sehr interessiert bin, weiß ich ehrlich gesagt nicht, wen ich denn eigentlich wählen soll.

Die aktuelle Koalition aus SPD und CDU hat versagt, die Koalition von SPD und Linke der letzten Legislaturperiode hat ebenfalls nichts gemacht. Die letzte Koalition mit Beteiligung der CDU hat das Land Berlin in ein Schuldenloch gesteuert, aus das es sich bis heute noch nicht erholt hat. Bis heute sind die Schulen marode, es gibt nicht genug Kindergärten, der Wohnungsbau wird vollständig windigen Bauträgern überlassen, die Verwaltungen sind schlecht strukturiert, die Flüchtlinge sind immer noch nicht menschenwürdig untergebracht und die Partygegenden verkommen zu Gewalt- und Drogenmeilen. Alle reden davon, wie attraktiv und sexy diese Stadt ist. Aber für wen eigentlich?

Mir scheint, die wahren Probleme dieser Stadt werden gar nicht angegangen und die Politiker kümmern sich mehr um ihre persönlichen Belange als um ihren Wahlauftrag. Dabei sind manche Lösungen doch so einfach:

  • Stellt einfach mehr Lehrer ein, anstatt ständig an dem unterfinanzierten Bildungssystem rumzudoktern.
  • Macht eine verlässliche Personalplanung bei den Landesbediensteten. Dass Jahrelang nicht genug Polizisten eingestellt wurden, rächt sich jetzt doppelt.
  • Kümmert euch mehr um die Entwicklung und Integration junger Menschen. Das ist billiger, als später komplette Bevölkerungsgruppen aus den Sozialkassen zu finanzieren.
  • Verkauft nicht eure Grundstücke an Finanzinvestoren sondern gebt diese in die Hand der örtlichen Wohnungsgesellschaften. Diese können endlich mal bezahlbaren Wohnraum schaffen.
  • Baut mehr Radwege um die Straßen-Infrastruktur zu entlasten.

Und wovon das ganze bezahlen? Mir fallen da spontan die Mehrkosten für den Flughafen ein, mit denen man locker all diese Dinge bezahlen könnte. Oder diese sündhaft teure A100, welche halb Friedrichshain untertunnelt. Sorgt euch lieber um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Hört auf Luftschlösser zu bauen und kümmert euch um die wahren Probleme, dann habt ihr meine Stimme sicher!

Alltag im Berliner Bürgeramt

Ich bin ein Berliner

Es ist schon komisch. Ich lebe jetzt in der Stadt, in der ich eigentlich nie Leben wollte. Als einfacher Brandenburger mische ich mich nun zwischen den Vollbart-Hipstern und den Öko-Tanten, um einen neuen Lebensabschnitt in der Hauptstadt zu beginnen. Schon jetzt kann ich sagen, dass der Umstieg nicht viel extremer hätte sein können.

Von der bäuerlichen Provinz in das moderne Berlin? Weit gefehlt!

Schon bei der Anmeldung meines Wohnsitzes musste ich meine Ansprüche erst mal runter schrauben. Während man in Schwedt einfach zu den Öffnungszeiten in die Stadtverwaltung geht, muss man in Berlin erst telefonisch einen Termin vereinbaren. Wenn man Glück hat, bekommt man dann für 3 Wochen später einen Termin in einem Bürgerbüro am Rande der Stadt. In meinem Fall war das Bürgerbüro in der Wasserstadt Spandau meine Anlaufstelle, welches in genau einer Stunde Fahrzeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Da kommt Freude auf!

Eigentlich wollte ich dort nur meine neue Adresse angeben, aber letztendlich musste ich mich um die marode Technik in dem Bürgeramt kümmern. Der Tintenstrahldrucker hat einfach nicht meinen Namen auf das Klebe-Etikett für den Ausweis gedruckt. Nachdem auch der fünfte Zettel verschmiert aus dem Drucker kam, empfahl ich dem Beamten Sachbearbeiter, erstmal eine Druckerdüsen-Reinigung durchzuführen. Da er mit der Sache sichtlich überfordert war, gingen wir die Sache gemeinsam durch und innerhalb von 3 Minuten war mein Etikett fertig. Insgeheim fragte ich mich, wie viele Bürger man in der Zeit hätte abfertigen können, aber das war mir dann auch egal. Immerhin bin ich jetzt kein Illegaler mehr!

  

Und sonst?

Während man mich in der Uckermark immer gefragt hat, was mich in diese verlassene Gegend zieht ist, ist Berlin scheinbar die interessanteste Frage, wie viel Miete man bezahlt. Egal ob beim Frisör, beim Feierabendbier oder beim Besuch des Briefträgers. Jeder redet über die horrenden Mieten in dieser Stadt. Dabei gibt es noch so viele andere Probleme hier! Die Kindergärten haben Wartelisten bis zum Mond, bei den Ärzten wartet man mindestens genauso lange wie in der Uckermark und in einigen Ecken kann man Abends nicht mehr lang laufen.

Schöne Aussichten!