In Jasper angekommen

21 Jul
2015

Auf den ersten Blick ist Jasper durchaus vergleichbar mit Banff – eine Stadt am Fuße der Rocky Mountains die vom Naturtourismus lebt. Allerdings ist man hier noch mehr in der Wildnis und trifft dementsprechend oft auf die heimische Tierwelt. Trotz der Empfehlung des Reiseführers verzichteten wir auf ein Bärenspray (das soll die Bären im Falle eines Angriffs abwehren) und wanderten am ersten Tag direkt in die Wälder des Jasper Nationalparks. Schon nach ein paar Minuten hört man nichts mehr von Stadt und findet sich zwischen knarzenden Bäumen und rauschenden Flüssen wieder.

Athabasca River

Für den ersten Tag haben wir uns gleich den längsten Wanderweg unsere Reise ausgesucht. Dieser führte uns über den Old Fort Point Loop zum Lake Beauvert und schließlich weiter zum Maligne Canyon. Am Lake Beauvert haben wir in der prestigeträchtigen Fairmont Jasper Lodge einen Zwischenstopp eingelegt und den leckersten Sandwich unserer Reise gegessen. Anschließend haben wir uns ein Kanu ausgeliehen und sind über den kristallklaren See gepaddelt. Das war wirklich Kanada-Feeling vom feinsten!

Paddeln auf dem Beauvert Lake

Der anschließende Weg zum Maligne Canyon hat sich ganz schön in die Länge gezogen und man ist auch nur sehr selten auf andere Menschen gestoßen. So richtig wohl war uns bei der Sache nicht, auch weil man in aller Regelmäßigkeit daran erinnert wird, dass man sich in einem aktiven Bärengebiet befindet. Als wir schließlich am Maligne Canyon angekommen sind, waren die Füße platt und unsere Motivation am Boden. So entschieden wir uns, den Weg zurück nach Jasper zu trampen. Das war leichter gesagt als getan, denn irgendwie wollte uns keiner so recht mitnehmen. Letztendlich hat uns eine freundliche Kanadierin mitgenommen und uns damit 10 Kilometer Rückweg erspart.

Bedingt durch den langen Ausflug hatten wir am folgenden Tag keine Lust auf Wandern und sind stattdessen mit dem Fahrrad zum nahegelegenen Pyramid Lake gefahren. Die Ausleihgebühr war mit 40$ zwar recht happig, aber dafür hatten wir mehr von der Natur mitbekommen als die ganzen Auto-Touristen. Vom Pyramid Lake sind wir zurück nach Jasper gefahren und dann immer entlang des Athabasca River Richtung Norden gefahren. Als wir am weitesten entfernt von Jasper waren, zogen auf einmal dunkle Regenwolken auf und binnen Minuten wurde die sonnige Urlaubsidylle wurde zum feuchten Albtraum. Mit viel Kampfgeist und waghalsigen Fahrmanövern über den Yellowhead Highway hatten wir es vor dem absoluten Weltuntergang zurück in die Stadt geschafft. Immerhin haben wir dafür später Anerkennung von einigen Autofahren bekommen, die uns am Straßenrand mit den Naturgewalten haben kämpfen sehen. Die anschließende Pizza im L&W Family Restaurant war eher durchschnittlich, aber immerhin war es im Restaurant trocken.

Mit dem Fahrrad am Pyramid Lake

Am letzten Tag in Jasper hatten wir keine Lust auf körperliche Betätigung (ohnehin war das Wetter nicht so besonders). Also haben wir uns kurzerhand ein Auto ausgeliehen, um die etwas entfernteren Sehenswürdigkeiten zu besuchten. Da der örtliche Verleih keinen Kleinwagen mehr im Angebot hatte, mussten wir auf ein sogenanntes Full Size Car umsteigen. Die Freude war groß, als auf dem Parkplatz ein weißer Dodge Charger SXT auf unsere Fernbedienung reagierte. Leider konnte man die Beschleunigung in diesem Schiff nicht so richtig ausleben, da die maximal erlaubten 90 km/h viel zu schnell erreicht wurden. Aber schon alleine der Sound beim Fahren war irre.

Umso überraschender war es, dass wir bei der Fahrt zur Mount Edith Cavell plötzlich einen Bären am Straßenrand entdeckt haben. Der hat nach irgendwas gewühlt und sich überhaupt nicht beeindrucken lassen. Für einen Ausstieg aus dem Auto hat uns zwar der Mut gefehlt, aber auch so war es ein sehr beeindruckendes Erlebnis!

Bär im Jasper Nationalpark

Die heißen Quellen in Miette entpuppten sich als künstlich angelegte Schwimmbecken am Berghang. Das Wasser kommt wohl aus den heißen Quellen, aber ein bisschen mehr Stil hätten wir schon erwartet. Immerhin war der Eintritt mit $6 vergleichsweise günstig.

Den letzten Abend haben wir ganz stilvoll im Downstream Restaurant am Connaught Drive verbracht. Hier haben wir als Abschluss unserer Nationalpark-Touren gegrillten Bison und Elch gegessen. Morgen geht es wieder zurück in die Zivilisation nach Vancouver und dann sind wir auch schon auf der letzten Station unserer Reise.

Erkenntnisse: Es ist billiger ein Auto für einen Tag auszuleihen als zwei Fahrräder.

Nach nur zwei Nächten im überfüllten Banff machten wir uns per Mietwagen auf den Weg nach Jasper. Diese Kleinstadt verspricht eine ähnliche Natur wie Banff, beherbergt aber weitaus weniger Touristen.

Der Weg nach Jasper führte uns zunächst auf den Bow Valley Parkway, dann ein kurzes Stück auf den Trans-Canada Highway und schließlich auf den Icefields Parkway. Letztere gilt als eine der schönsten Fernstraßen der Welt – und das zurecht! Auf den 230 km gibt es unzählige Seen, Flüsse, Wasserfälle, Canyons, Berge, Täler, Aussichtspunkte und sogar Gletscher. Alles ist hervorragend erschlossen, so dass man eigentlich nur aus dem Auto aussteigen muss und schon mittendrin ist.

Für mich waren die beiden Seen Moraine Lake und Peyto Lake die absoluten Highlights. Das ist wirklich Kanada, wie es im Bilderbuch steht. Dafür fanden wir die hochlobte Fahrt auf dem Columbia Icefield so uninteressant, dass wir diese gar nicht erst mitgemacht haben. Einziger Wermutstropfen waren die vielen Touristen bei den Attraktionen.

Moraine Lake

Am Ortseingang von Jasper wurden wir dann von einer Horde Wapitis (Hirsche mit einem auffälligen weißen Hinterteil) begrüßt. Damit waren wir endgültig in der Natur angekommen und werden in den nächsten Tagen hoffentlich auch noch andere Tiere zu Gesicht bekommen. Ein Bär steht bei uns ganz oben auf der Wunschliste, denn eigentlich ist dieser schon längst überfällig.

Wapitis in Jasper

Erkenntnisse: Der Icefields Parkway ist mindestens genau so schön wie der Big Sur in Kalifornien.

Ein Liter Benzin kostet in Kanada schlappe 0.92 Euro.

An der Greyhound Station von Banff beginnt unser Abenteuer in den Rocky Mountains. Gleich nach unserer Ankunft donnerte erstmal einer dieser riesigen Güterzüge entlang der nahegelegenen Bahnstrecke. Der Weg vom Bahnhof zu unserer Unterkunft führte uns von der Elk Street über die Wolf Street schließlich zu unserer Unterkunft in der Grizzly Street – ein kurzer Vorgeschmack auf das, was uns die kommenden Tage alles so erwartet.

Für den ersten Abend haben wir uns für einen kleinen Aufstieg auf den nahegelegenen Tunnel Mountain auf 1692 Metern Höhe entschieden. Der Höhenunterschied zu unserer Unterkunft beträgt nur etwa 300 Meter, so dass wir den Berg innerhalb von 90 Minuten bestiegen haben. Endlich konnte ich auch mal meine neuen Wanderschuhe richtig nutzen und mich von der kostspieligen Investition überzeugen.

Aussicht vom Tunnel Mountain Trail

Außerdem haben wir eine erste Begegnung mit einer einheimischen Tierart gehabt. Statt einen Bär oder einen Elch haben wir aber nur einige flinke Erdhörnchen (Callospermophilus lateralis) gesehen.

Kein Wetterglück

Am nächsten Morgen vertrübte uns das schlechte Wetter schon früh die Lust zu wandern. Während hier zu dieser Jahreszeit Temperaturen um die 25 Grad normal sind, erwartete uns eine Regenfront mit Temperaturen um die 12 Grad und einer Windstärke von 11 km/s.

Trotzdem haben wir uns um 9 Uhr auf den Weg gemacht, um den 10 Kilometer entfernten Sulphur Mountain zu besteigen. Der Weg zum Gipfel auf 2451 Metern Höhe war als mittelschwer eingestuft, so dass wir uns körperlich schon etwas anstrengen mussten. Trotzdem sind uns noch Leute begegnet, die den Berg hochgerannt sind. Auf dem Weg nach oben haben wir wieder nur ein Nagetier gesehen, diesmal aber ein Streifenhörnchen (Tamias minimus).

Aussichtspunkt auf Sulphur Mountain

Der Ausblick vom Gipfel war bedingt durch die tiefhängenden Wolken und den Regen sehr bescheiden. So haben wir uns vor lauter Frust in der Bergstation eine fettige Portion Poutine gegönnt. Dies ist ein typisch kanadisches Essen mit Pommes, Käse und Bratensauce. Eigentlich ist das eine ziemlich schmierige Sache, aber für unser Wohlbefinden war es gerade richtig.

Den Weg hinunter haben wir dann mit der Gondel angetreten, auch weil das Wetter immer schlechter wurde. Aber wenigstens können wir nach dem heutigen Tag behaupten, dass wir keine Schönwetter-Touristen sind.

Erkenntnisse: In Banff sind die Ampeln so geschalten, dass man als Fußgänger quer über die Kreuzung laufen kann.

Gegen Mittag haben wir Toronto per Flugzeug verlassen, um 2700 Kilometer weiter westlich in Calgary aufzuschlagen. Begünstigt durch den Öl-Boom in der Region hat diese Stadt mittlerweile über eine Million Einwohner und wächst stetig weiter. Hier haben wir das Vergnügen, bei einer ehemaligen Kommilitonin zu schlafen und mussten uns somit nicht um ein Hotel kümmern.

Nach der Ankunft am Flughafen sind wir erstmal mit dem Linienbus für überzogene $9 ins Stadtzentrum gefahren. Es gibt hier definitiv mehr Grünflächen als in Toronto und trotz der Wolkenkratzer wirkt die Stadt irgendwie beschaulicher. Es gibt eine zentrale Fußgängerzone (Steven Ave), wo man gut Essen und Einkaufen kann. Wir haben uns einen Burger im Milestone’s Grill gegönnt, ehe wir zu Nadine nach Tuscany am Rande von Calgary gefahren sind.

Stevens Ave in Calgary

Am nächsten Morgen wurden wir vom Regen geweckt und mussten unseren geplanten Stadtrundgang somit etwas abkürzen. Nichts desto trotz haben wir es geschafft, das Fahrwerk unseres Rollkoffers zum Schmelzen zu bringen und damit unsere Nerven auf ein äußerstes zu strapazieren. Der kurze Fußmarsch entlang des Bow River Path wurde somit zum ungeplanten Belastungstest für Körper und Seele. Der Ausblick vom Prince’s Island Park auf die Skyline von Calgary hat aber dafür einiges entschädigt.

Skyline von Calgary

Anschließend sind wir mit dem Greyhound Bus über den Transcanada Highway in das 140 Kilometer entfernte Banff gefahren. Diese Stadt in den Rocky Mountains ist eines der Ausflugsziele für Natur-Touristen in Kanada. Der gleichnamige Nationalpark um Banff ist der drittälteste in der Welt, wir erwarten also ein richtiges Highlight.

Transcanada Highway vor Banff

Erkenntnisse: Bei WestJet-Flügen kann man im Flugzeug fernsehen.

Man sieht in Calgary relativ viele Männer mit Cowboy-Hüten. Nicht umsonst findet hier jedes Jahr das Calgary Stampede statt.

Immer noch Toronto

15 Jul
2015

Am nächsten Morgen ging unsere Erkundungstour weiter zur Casa Loma. Diese Villa des ehemaligen Finanzunternehmers Sir Henry Pellat liegt an den Hängen des Annex etwas oberhalb der Stadt. Er hat sein Wohnhaus vor 100 Jahren gebaut und dabei sehr kostspielige Details eingebaut. So gibt es hier neben 98 Zimmern auch versteckte Treppen, kleine Türmchen, einen Tunnel zu den Pferdeställen und einen Wintergarten. Das ganze Anwesen wurde mit einem riesigen Dampfkessel beheizt, der auch locker in ein Kreuzfahrtschiff hätte antreiben können. Irgendwann wurden die Unterhaltskosten für das Haus aber zu teuer für Sir Henry und er musste es abtreten. Nun laufen Touristen durch seine Gemäuer und zahlen dafür einen satten Eintritt.

Nach dem Rundgang sind wir zurück in die Innenstadt zum Yonge-Dundas Square gefahren. Eigentlich gibt es hier nicht viel zu sehen, aber durch die enge Bebauung mit den Reklameschildern und dem vielen Straßenverkehr fühlt man sich wie auf dem (alten) Timesquare. Gleich daneben ist das Eaton Centre (man beachte die englische Schreibweise), ein riesiges Einkaufszentrum mit noch riesigerem Restaurantbereich. Wir haben uns dort kurz gestärkt, um anschließend weiter zur City Hall und dem Financial District zu laufen. Die Wolkenkratzer sind zwar nicht so groß wie in Shanghai oder New York, aber als Flachländer ist das schon ziemlich beeindruckend.

Financial District in Toronto

Spannend ist übrigens auch das Tunnelsystem von Toronto (PATH). Hier kann man kilometerlang unter der Erde laufen, ohne auch nur ein einziges Mal Tageslicht zu sehen. Eine Teilstrecke des Tunnels endet an der Union Station, dem größten Bahnhof der Stadt. Unweit davon befindet sich der St. Lawrence Market, der am heutigen Tag aber leider geschlossen war.

Letzter vollständiger Tag

Den letzten vollständigen Tag in Toronto besuchten wir den Kensington Market unweit unseres Hotels. Leider waren wir etwas zu früh dort und es waren bei weitem nicht alle Geschäfte geöffnet. Ohnehin ist das Gebiet aber nicht so wirklich ansehnlich – es stinkt und ist dreckig. So fuhren wir weiter zum St. Lawrence Market, der wesentlich aufgeräumter und sauberer daherkommt. Hier hat Karo ein leckeres italienisch-griechisch-dänisches Potpourri aus Speisen zusammengestellt, so dass wir die Markthalle mit vollem Magen verlassen haben.

Ein paar Straßen weiter östlich befindet sich das ehemalige Brauereiviertel der Stadt (Distillery District). Hier wird heute nichts mehr gebraut, dafür werden in den ehemaligen Lagerhäusern sehr ansehnliche Designer-Möbel und andere Dinge verkauft. Hier war auch ein Fanfest der Pan-Amerikanischen Spiele, allerdings waren die riesigen Wohntürme auf dem Brauereigelände irgendwie spannender.

Da das Wetter immer besser wurde, entschieden wir uns für eine Bootstour zu den Toronto Islands. Dorthin kann man mit einer städtischen Fähre für $7 übersetzen und anschließend die Insel mit dem Fahrrad erkunden. Früher war Toronto Islands eigentlich eine Halbinsel, bis ein Hurrikan 1858 eine Landzunge zum Festland wegspülte. Von der Insel hat man die beste Aussicht auf die Skyline von Toronto, was wir auch für ein ausgiebiges Foto-Shooting genutzt haben.

Skyline von Toronto

Damit haben wir innerhalb der letzten 4 Tage eigentlich alles Wesentliche gesehen und bereiten uns so langsam auf den Abschied aus Toronto vor. Wir werden bei unserem Rückflug noch eine Nacht hier schlafen, aber das wird wohl eher ein technischer Aufenthalt werden.

Erkenntnisse: Die Preise werden hier oft ohne Mehrwertsteuer angegeben, so dass man bei der Rechnung immer einen kleinen Schreck bekommt.

Angekommen in Toronto

13 Jul
2015

Wir sind angekommen – in der größten Stadt Kanadas, der fünftgrößten Stadt des nordamerikanischen Kontinents und in der Stadt mit der höchsten Quote an Zuwanderern in Kanada.

Wir gesellen uns also in eine multikulturelle Großstadt, in der die Einwohner aus der ganzen Welt kommen. Unser Hotel Super 6 Downtown befindet sich im Herzen von Chinatown unweit des Stadtzentrums. Für leckeres Essen ist also in den nächsten Tagen schon mal gesorgt.

Auf den ersten Blick ist die Stadt typisch (US-)amerikanisch. Es gibt viele Wolkenkratzer, einen eher unterdurchschnittlichen Personennahverkehr, die Klimaanlagen laufen überall auf Hochtouren und man sieht mehr Beton als grün. Manche Straßen haben französische Namen, da die Stadt auch mal unter französischer Kontrolle stand. Allerdings hört man hier auf den Straßen trotz der vielen Zuwanderer fast ausschließlich Englisch. Vielleicht ein Beweis für das gute kanadische Einwanderungssystem?

Wir machen uns den Jetlag zunutze und sind nach der ersten Nacht schon um 7 Uhr beim Frühstück. Nach einer kurzen Erkundung unserer Umgebung haben wir das Highlight der Stadt bestiegen – den CN Tower (Canadian National Tower). Dieses Wahrzeichen hat mich seit meiner Kindheit begeistert und nun war ich endlich auf der Aussichtsplattform in 342 Metern Höhe. Für mich hat sich der Urlaub schon gelohnt! Es gibt im Tower auch einen netten Glasboden, wo einen die Höhe noch mal schön bewusst wird.

Aussicht vom Glasboden im CN-Tower

In der Stadt sind übrigens gerade die Pan-Amerikanischen Spiele. So gibt es an mehreren Orten mehr oder weniger gut besuchte Fanmeilen. Hin und wieder sieht man auch Sportler oder Funktionäre mit ihren Schildchen. Ansonsten bekommt man aber eher nicht so viel davon mit – sicherlich auch, weil ein Großteil der Sportstätten in den Randbezirken der Greater Toronto Area (Ballungsgebiet) liegen.

Nach dem Besuch der Fanmeile im Harbourfront Centre sind wir entlang der Uferpromenade des Ontariosees (Waterfront) in Richtung Westen gelaufen. Hier kann man auch gut mit Fahrrad lang fahren, was wir aber leider zu spät bemerkt haben. Auf der Höhe der Bathurst Street haben wir uns durch die Wohnpaläste der Waterfront zum Fort York durchgeschlagen. Diese militärische Verteidigungsanlage stammt aus den Gründerzeiten der Stadt, als man diese noch vor den angreifenden Amerikanern verteidigen musste. Es gibt dort schöne Führungen und Vorführungen in original Uniformen, der Eintritt von $10 hat sich also gelohnt. Nach einem kurzen Nickerchen im Hotel (die Zeitverschiebung von 6 Stunden macht sich bemerkbar), sind wir abends noch auf ein Bier ins Pub The Black Bull gegangen.

Erkenntnisse: Steam Whistle Pilsner ist ein leckeres lokales Bier.

Es geht endlich los

11 Jul
2015

Nach einigen Wochen Vorbereitung sind wir nun endlich am Flughafen Berlin-Tegel und werden in wenigen Minuten den Flieger nach Frankfurt und anschließend weiter nach Toronto besteigen. Wir werden in den nächsten 3 Wochen die aufregenden kanadischen Großstädte Toronto, Calgary und Vancouver sowie die erlebnisreichen Nationalparks Banff und Jasper bereisen.

Zuvor hatten uns einige Dinge aber ordentlich Kopfzerbrechen bereitet. Erst habe ich ausversehen einen falschen Flieger gebucht und damit unsere komplette Reiseplanung auf den Kopf gestellt. Statt einen Flug nach Vancouver hatte ich einen ins 3360 Kilometer entfernte Toronto gebucht (und ich hatte mich noch über die günstigen Preise gewundert). Außerdem haben wir den anhaltenden Verfall des Euros mit ziemlicher Sorge verfolgt, da der Umtauschkurs zum kanadischen Dollar immer schlechter wurde.

Zuletzt hatte die polnische Dame am Check-In Schalter in Tegel noch für reichlich Verwunderung gesorgt. Das nette „Dzień Dobry“ als Begrüßung für Karo kann man ja noch als guten Kundenservice versehen. Als sie aber anschließend darauf bestand, dass ich ein Visum für Kanada brauche, war die Sache nicht mehr so lustig. Erst mit Hilfe der Kollegen wurde klar, dass mich der Computer ausversehen nach Australien eingecheckt hat. Aber auch das haben wir geregelt, so dass nun einer spannenden Reise nichts mehr im Wege steht. Die nächste Meldung gibt’s dann vom amerikanischen Kontinent.

Abflug von Tegel

Die kurze Woche nach Ostern haben Karo und ich für einen Ausflug in die kroatische Küstenstadt Dubrovnik genutzt. Dieses überschaubare Städtchen ist genau das richtige für uns, um bei frühsommerlichen Temperaturen ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen.

Unser Hotel Hilton Imperial Dubrovnik erwies sich als echter Glücksgriff und lag nur einen Steinwurf von der historischen Altstadt von Dubrovnik entfernt. Diese ist seit dem letzten großen Erdbeben in 1667 praktisch unverändert und steht deswegen seit 1979 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Um die Stadt herum befindet sich eine mächtige Stadtmauer, die man vollständig begehen kann.

Placa (Stradun) in Dubrovnik

Am ersten Abend haben wir erst mal die Hauptstraße (Stradun) und einige Nebengassen abgelaufen. Der positive Eindruck hat sich hier bestätigt. In der etwas höher gelegenen Ulica Prijeko befindet sich ein kleines vegetarisches Restaurant namens Nishta, wo wir einen leckeren Falafel gegessen haben. Den restlichen Abend haben wir ganz wie spießige Pauschaltouristen im Wellness-Bereich unseres Hotels verbracht.

Am nächsten Morgen haben wir uns für eine geführte Tour durch die Altstadt entschieden. Zusammen mit unserer Stadtführerin Maria hatten wir alles Wesentliche in zwei Stunden abgelaufen, so dass wir am Nachmittag noch die Stadtmauer bestiegen haben. Diese ist noch komplett erhalten, so dass man hier durchaus einige Meter zurücklegen kann. Etwas erschöpft haben wir anschließend eine (etwas zu kleine) Portion Fisch im Restaurant Koloseum gegessen und ein frisches Laško getrunken, ehe wir die Festung Lovrijenac (Tvrđava Lovrijenac) besichtigt haben. Diese befindet sich etwas außerhalb der Stadtmauer auf einem großen Felsen und lässt sich mit der Eintrittskarte von der Stadtmauer kostenlos besteigen. Der Ausblick von der Festung erlaubt schöne Fotos auf die Altstadt, gerade wenn die Sonne langsam untergeht.

Am letzten vollständigen Tag haben wir uns für einen Ausflug zu der nahegelegenen Insel Lokrum entschieden. Dort gibt es kleine Wanderwege und ein altes Fort, von dem man eine wunderbare Sicht auf die Küstenlinie hat. Trotz den Kniebeschwerden von Karo haben wir es bis nach oben geschafft und konnten den Ausblick genießen.

Den Nachmittag nutzten wir für einen Ausflug zum Hausberg von Dubrovnik (Brdo Srđ), den man bequem mit einer Seilbahn erklimmen kann. Oben ist ein altes Fort (Fort Imperial) aus der Zeit der Besetzung Dubrovniks durch Napoleon 1806-1816. Dort befindet sich heute ein Museum zum kroatischen Unabhängigkeitskrieg in den frühen 1990er Jahren, welches das Kriegsgeschehen in Dobrovnik sehr emotional dokumentiert. Damit hatten wir erstmal genug unternommen und stimmten uns langsam auf das Ende unseres Urlaubs ein.

Dubrovnik vom Brdo Srđ

Am Freitag genossen wir noch ein paar letzte Sonnenstrahlen, ehe wir am frühen Nachmittag zurück nach Berlin flogen. Dort sollte uns bestes Wetter erwarten, so dass wir gut gelaunt ins Wochenende starteten.

Erkenntnisse: San Servolo ist ein sehr leckeres kroatisches Bier.

Amerikanische Fernsehserien werden in Kroatien in Originalsprache mit Untertiteln ausgestrahlt.

Die Altstadt von Dubrovnik ist klein aber schön.

Heute gab es ja in unseren Breitengraden (53° 4′ N, 14° 17′ O) eine partielle Sonnenfinsternis. Ich konnte mit bloßem Auge leider nicht erkennen, dass die Sonnenintensität nachgelassen hat. Dafür hat eine Messstation in Schwedt/Oder die Sonnenfinsternis ganz gut eingefangen. Eine Stunde vor und nach Maximimum der Sonnenfinsternis ist ein deutlicher Einbruch in der Sonnenintensität zu erkennen.

Intensität der Sonne

Mit dem vorinstallierten Android-Betriebssystem sowie der App TuneIn Radio kann man schon recht komfortabel Musik bzw. Web-Radio auf dem Cubietruck wiedergeben. Ich wollte dies aber auch auf einem Linux-Betriebssystem schaffen und eine komfortable Steuerung über mein Smartphone ermöglichen.

Als Grundlage hierfür habe ich das HomeNAS Dual SD-Card Image von Stefanius genommen. Dieses lässt sich über den Win32DiskImager auch von einem Windows-PC auf die SD-Karte übertragen und funktioniert anschließend problemlos. Der HDMI-Ausgang des Cubietruck war bereits vorkonfiguriert und lieferte eine problemlose Ausgabe auf meinem Toshiba-Flachbildschirm.

Hinweis: Der Cubietruck hat meine 16GB microSDHC von Fujifilm leider nicht angenommen. Mit der 8GB microSDHC von Kingston hat es aber funktioniert. Ich empfehle außerdem, aus Gründen der Geschwindigkeit eine Class 10 Karte zu verwenden.

Das Image von Stefanius enthält erstmal keine Anwendung, um MP3s oder Web-Radio wiederzugeben. Ich habe mich entschlossen, für die Wiedergabe die Anwendung Music Player Daemon (MPD) nebst zugehörigen Client (MPC) zu verwenden. In dieser Konsolenanwendung kann man problemlos seine Musik verwalten und abspielen. Dazu gibt es verschiedene Apps für das Smartphone, mit dem man den MPD fernsteuern kann. Für Apple-Smartphones kann ich dafür MPod empfehlen.

Die Installation geht wie folgt:


# mpd installieren
apt-get install mpd

# mpc installieren
apt-get install mpc

# Benutzerrechte setzen, damit MPD dort schreiben kann
chown -R mpd /var/lib/mpd
chown -R mpd /var/log/mpd
chgrp -R audio /var/lib/mpd

# MPD Zugriff auf das Dateisystem und die Soundkarte geben
adduser mpd fsusers
adduser mpd audio

Wenn man diese Schritte ausführt, spielt der MPD zwar Musik ab, aber es kommt kein Signal aus den Audioausgängen. Dazu muss man in der Konfigurationsdatei von MPD noch die Soundkarte einstellen.


# In der Konfigurationsdatei die Soundkarte aktivieren
nano /etc/mpd.conf

# Abschnitt Audio Output bearbeiten
audio_output {
type "alsa"
name "My ALSA Device"
device "hw:1,0" # Ausgabe auf Klinkenstecker
# device "hw:0,0" # Ausgabe über Digitalausgang
# mixer_type "hardware" # optional
# mixer_device "default" # optional
# mixer_control "PCM" # optional
# mixer_index "0" # optional
}

# Änderung speichern und nano verlassen

# MPD neu starten
service mpd restart

Anschließend kann man über die Konsole mit den Befehlen

mpc load Radiosender.m3u
mpc playlist # Aktuelle Playliste ausgeben
mpc play # Musik abspielen
mpc clear

eine Playlist zusammenstellen und abspielen. Das geht natürlich auch über die oben angesprochene Smartphone-App MPoD.

Da ich auch noch viel Musik auf einem USB-Stick habe, wollte ich diese auch komfortabel abspielen können. Dazu muss man in der Konfiguration von MPD symbolische Links aktivieren:


# MPD stoppen
sudo service mpd stop

# Konfigurationsdatei aufrufen
nano /etc/mpd.conf

# Zeilen einkommentieren
follow_outside_symlinks "yes"
follow_inside_symlinks "yes"

# Änderung speichern und nano verlassen

# Symbolischen Link im Musikverzeichnis anlegen
sudo ln -s /media/usb0/ /srv/fileserver/multimedia/Musik

# Nutzer mpd zu plugdev Gruppe hinzufügen, damit Zugriff auf USB-Stick funktioniert
sudo usermod -G plugdev -a mpd

# MPD starten
sudo service mpd start

# Musikbibliothek aktualisieren
mpc update

Wenn Ihr Verbesserungsvorschläge oder Ergänzungen habt, nutzt bitte die Kommentarfunktion. Ansonsten viel Spaß beim Fummeln. 🙂

Hoch