Mit dem Master in Hartz 4

Eigentlich wollte ich mich in meinem letzten Monat vor dem Arbeitsbeginn noch mal richtig auf der sozialen Hängematte ausruhen und einfach nur Geld vom Staat kassieren. So komisch es klingt, ich wollte einfach mal Hartzer sein! Ich wollte endlich mal mitreden können bei diesen sinnlosen Kneipen-Diskussionen, wo man über den Staat schimpft, der einem keinen Job besorgt. Ich wollte darüber meckern, dass die 350 € monatlich niemals zum Leben reichen. Und ich wollte auf dem Höhepunkt meiner akademischen Laufbahn einfach mal auf einer Party den Spruch bringen: „Hey, Ich bin Hartz 4“!

Artig hatte ich mich auch nach meiner Master-Verteidigung bei der Agentur für Arbeit in Schwedt arbeitslos gemeldet, um in den Genuss der Sozialleistungen zu kommen. Aber leider hatte ich eine Sache nicht beachtet: Wenn ich mich jetzt arbeitslos melde, muss ich eine Exmatrikulationsbescheinigung der Uni vorweisen. Diese kann mir das Studierendensekretariat auch ohne Probleme ausstellen, allerdings müsste ich dafür auch meinen Studentenausweis inklusive Semesterticket abgeben. Da ich aber in den nächsten Wochen noch zwischen Schwedt und Cottbus pendeln möchte, ist das für mich keine Lösung. Also nichts mit sozialer Hängematte!

Also bleibe ich offiziell noch bis zum 31.März 2011 Student an der BTU und werde dann erst geext. Laut Krankenversicherung ist das auch kein Problem, da meine Krankenkassenbeitrage ab Januar eh von meinem neuen Arbeitgeber getragen werden. Meinen Studentenstatus habe ich dann nur noch nebenher.

Um das noch mal auf den Punkt zu bringen: Mir ist es schon bewusst, dass für viele Leute Hartz 4 Ungewissheit, Armut und Elend bedeutet. Ich möchte mich auch keineswegs darüber lustig machen! Ich habe im eigenen Familienkreis Menschen, die auf die Hilfe vom Staat angewiesen sind. Und ich bin absolut dafür, die soziale Grundsicherung in Deutschland weiterhin aufrecht zu erhalten.

Trotzdem sei mir an dieser Stelle ein objektiver Vergleich zwischen dem Studenten-Dasein und Hartz 4 erlaubt. Soweit meine Recherchen stimmen, bekommt man als Hartzer jeden Monat ca. 350 € Taschengeld plus die Erstattung der Miete für die Wohnung. Die Krankenversicherung muss man auch nicht selbst bezahlen. Als Student hatte ich dagegen überhaupt keine Kohle vom Staat bekommen, weder in Form von Taschengeld noch in Form von Mietzahlungen. Meine Krankenversicherung musste ich auch selbst bezahlten (am Ende ca. 65 € im Monat). Stehen Hartzer finanziell besser da als Studenten? Auf dem ersten Blick sicherlich schon, aber man muss dem Staate noch zu Gute heißen, dass er das Studium subventioniert (zumindest in den meisten Bundesländern), also indirekt den Studenten auch Geld gutschreibt. Nichtsdestotrotz, irgendwie ist das schon eine komische Konstellation, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.